Seit zwei Stunden schlängelt sich der Burr Trail nun schon durch den Long Canyon, und jede Biegung hat ein neues Spalier von steinernen Wächtern offenbart. Welche Ehre für einen Kuhpfad aus dem 19. Jahrhundert, der erst seit ein paar Jahren asphaltiert ist. Vollkommen regelmäßig standen die hundert Meter hohen Säulen aus rotem Sandstein am Rand der immer schmaler werdenden Schlucht aufgereiht - wie Soldaten, die angetreten sind, um der Parade der durchradelnden Touristen zu salutieren. Doch hier, am Ende des Canyons, findet das Auge im Gestein keinen Halt mehr. Hier ist nur noch Horizont, und plötzlich ergreift einen Panik.

Wir rollen unsere Rennräder auf einen vom Wind glatt geschmirgelten Felsen, der wie eine Aussichtsterrasse die Hochtalebene überragt, und suchen den weiteren Verlauf des Pfads. Doch dort unten ist nur Gestrüpp und Fels.

Irgendwo in der Ferne erhebt sich eine glühend rote Mauer aus der Ödnis, dahinter beginnt das große Nichts. Unsere Trinkflaschen sind fast leer.

Es ist der Nachmittag des zweiten Tags unserer Reise. 170 Kilometer lang ist die Spur, die unsere Rennmaschinen in den aufgeweichten Asphalt der Straßen durch die Canyonlands des südlichen Utah gemalt haben. Etwa zehn Minuten lang stehen wir so da und geben uns dem Gefühl hin, verloren zu sein in dieser übermächtigen Natur. Dann kommt die immer freundliche, immer geduldige Amy mit unserem Begleitfahrzeug angetuckert, teilt Wasser und Energieriegel aus und sammelt diejenigen ein, die zu erschöpft sind, um weiterzufahren.

Nichts ist freundlich hier, es gibt keine Wiese, kein idyllisches Dorf

Ohne Wagen geht es nicht, sagt Amys Partner Jonathan, der vom Fahrradsattel aus über das Wohlergehen der Abenteuerreisenden wacht. Mit ihm fahren wir die Grand Escalante, die große Treppe hinab, vom Capitol Reef National Park auf fast 3000 Meter Höhe bis zum Grand Canyon im nördlichen Arizona auf rund 800 Metern. Die Sonne brät auf die Hochwüste der Colorado-Plateaus nieder. Es wäre fast unmöglich, das Wasser, das man trinken muss, auf dem Rad mit sich zu führen - die nächste Siedlung ist oft mehr als hundert Kilometer entfernt.

Nur ein Ford Transit trennt einen vom Verdursten - der Gedanke bereitet einen frivolen Kitzel.