Am 28. Dezember 1941, einem Sonntag, notiert Max Beckmann in sein Tagebuch: Endgültig Apo - Gott sei Dank! Er meint damit die Fertigstellung seiner berühmten Grafiken zur Apokalypse des Johannes. Im Auftrag des damaligen Direktors des Frankfurter Städelmuseums, Ernst Holzinger, und des Inhabers der Bauerschen Schriftgießerei, Georg Hartmann, hat Beckmann im Amsterdamer Exil 27 Zeichnungen entworfen, die er später mit Aquarellfarben koloriert.

Als Nachwort schreibt er: im vierten jahre des zweiten Weltkrieges, als gesichte des apokalyptischen sehers grauenvolle wirklichkeit wurden, ist dieser druck entstanden. Während mehrere Exemplare der Grafiken in verschiedenen Sammlungen aufbewahrt werden, galt die von ihm eigenhändig kolorierte Vorlage lange Zeit als verschollen. Vor zwei Jahren erst tauchte sie überraschend wieder auf und kann nun im Museum Wiesbaden in Augenschein genommen werden (bis zum 16. Januar 2005). Danach gehen die Zeichnungen auf Deutschlandtour, erst nach Goch und Heidelberg, dann nach Osnabrück und Frankfurt am Main. Auch der von Beckmann benutzte vierte Band der Luther-Bibel mit seinen Kohlestiftskizzen und Unterstreichungen ist ausgestellt. Der Bildergewalt der Apokalypse begegnet der Maler mit illustrierender Wucht - Untergang und auch Erlösung gestaltet er als (alb)traumhafte Visionen. In einem Tabakspeicher unterm Dach am Rokin entwarf Beckmann seine Bilder, auf denen er auch sich selbst als Teil der Geschichte sieht. So ist seine Apokalypse auch eine Antwort auf die Vorgänge und Schrecknisse um ihn herum. Das letzte Blatt zeigt sein Fernweh nach Frieden: die beinahe kindliche Version einer ganz lichten Welt, in der das Meer bis zum Horizont reicht.