Kaum ein Tag, der nicht neue Jobverluste bringt - und immer geht es um das Versagen der Vorstände und die Schwäche ihrer Kontrolleure. Opel streicht Tausende Stellen, bei KarstadtQuelle werden Arbeitsplätze abgebaut, der nächste Fall kommt bestimmt. Schon fordern Industrieverbände, die gesetzliche Mitbestimmung zu kippen, weil Arbeitnehmer im Aufsichtsrat wichtige Entscheidungen verhinderten. Aber wie qualifiziert sind eigentlich die von der Kapitalseite entsandten Kontrolleure? Sind Deutschlands Chefs womöglich auch deshalb so schwach, weil sie sich schwache Aufseher suchen? Ein Blick in die Sitzungszimmer zweier deutscher Weltkonzerne: von DaimlerChrysler, wo Vorstandschef Jürgen Schrempp fast 40 Milliarden Euro Unternehmenswert vernichten durfte. Und von der Deutschen Bank, die einst auszog, die Welt zu erobern - und nun kleinlaut nach Hause zurückkehrt.

ZUSAMMENGESTELLT VON MARC BROST

Der Übervater

Wehe, jemand kommt auf die Idee, Karl-Hermann Baumann kenne sich nicht in Geldfragen aus. Immerhin war der 69-jährige Aufsichtsrat der Deutschen Bank jahrelang Finanzchef bei Siemens. Die Frage ist nur, wie viel Zeit Baumann hat, um sich in die speziellen Probleme der Bank einzuarbeiten. Der Mann ist nämlich Deutschlands Multikontrolleur: Baumann beaufsichtigt nebenbei auch E.on, Linde, Schering, ThyssenKrupp, die Wilhelm von Finck AG - und er leitet das Kontrollgremium seines alten Arbeitgebers Siemens.

Der Baseballer

Was passiert im Kontrollgremium von DaimlerChrysler, wenn die Konzernzahlen schlecht ausfallen? Zerknüllt der Amerikaner Peter Magowan den Jahresbericht und wirft ihn nach den Controllern? Und rufen die Räte kollektiv Homerun, Jürgen!, wenn der Aktienkurs steigt? Denkbar wäre es: Magowan, Präsident des Baseballklubs San Francisco Giants, bringt Stadionflair ins Daimler-Hauptquartier nach Stuttgart.

Der Steuer-Mann