Unverzeihlich, dass das Relief von Rhodos beim Inselrätsel vor zwei Wochen durch einen Fehler der Technik so falsch dargestellt war: Als wäre der Insel des Sonnengottes plötzlich ein Vulkan gewachsen wie ein Buckel. Dabei kann ein Relief – wenn es denn das richtige ist – so viel über die Lage einer Insel erzählen!

Heute zum Beispiel: Da geht es um ein Eiland, dessen Ostseite »dem Wind zugewandt« ist und einem großen Ozean, weshalb sie steil und wild zu einem schmalen Uferstreifen abfällt. Die Westseite dagegen ist »vom Wind abgewandt«, sanfthügelig und mit weiten Buchten und Stränden an jenem Meer, dessen Name oft auch für die ganze dortige Inselwelt gebraucht wird. Der »Entdecker«, welcher die meisten Inseln in dieser Weltgegend benannt hat, hat diese Insel aber erst bei seiner dritten Reise gesichtet. Und weil die Ureinwohner sich erbittert wehrten, konnten sich die Eroberer erst im 18. Jahrhundert auf der Insel ansiedeln.

Ob es mit dieser historischen Verzögerung zu tun hat, dass die Insel bis heute als besonders ursprünglich gilt? Und dass sie dort, wo andere vergleichbare Inseln längst von Zuckerrohr und Bananenplantagen überzogen sind, noch immer dichten Urwald hat? Rafi Reiser

Auflösung aus Nr. 45:

Am 27. Februar 1621 lief Jan Pieterszoon Coen im Auftrag der holländischen Ostindischen Kompanie mit der größten je in asiatischen Gewässern versammelten Flotte in den Hafen von Banda Neira ein, denn die Banda-Inseln im Osten Indonesiens waren das damals wichtigste Anbaugebiet der Muskatnuss. Über Coens Gräueltaten und die Geschichte der Banda-Inseln berichtet Thurston Clarke in dem Buch »Die Insel. Eine Welt für sich«, 2003 erschienen im marebuchverlag, Hamburg