In einem Nachruf schrieb der damalige Weltmeister Emanuel Lasker: »Masons Niveau als Spieler war in der Tat sehr hoch, aber er hätte den allerhöchsten Rang erklimmen können, hätte er nicht auch über Eigenschaften verfügt, die den höchsten Erfolg für jeden verhindern.« The Oxford Companion to Chess wird da deutlicher: Als »Freund des Alkohols« soll er viele Partien aufgrund einer »heiteren Verfassung« verloren haben – »a jolly good fellow first and a chessplayer afterwards« .

Letzteres ist missverständlich, denn James Mason (1849 bis 1904), dessen hundertsten Todestag sich heuer jährt, war zweifellos ein starker Schachspieler und vielleicht ein noch besserer und witzigerer Schachschriftsteller. Wie viele Iren floh er 1860 vor dem Hunger in die Neue Welt und arbeitete bald als Journalist für den New York Herald . In New York kam er auch mit dem Schach in Berührung, machte schnelle Fortschritte und war nach Morphys Verschwinden in der (psychischen) Versenkung bald der beste Spieler Amerikas.

Wie Ehn und Strouhal in der kulturellen Schachzeitschrift Karl mitteilen, siedelte er 1878 als Schachprofi nach Europa über und feierte zunächst glänzende Erfolge: Er schlug James »Black Death« Blackburne (so genannt wegen seiner respekteinflößenden Statur – so soll er einmal den kleinen Steinitz gepackt und in ein Schaufenster geworfen haben – und vor allem wegen seiner an einen Piraten erinnernden schwarzen Augenklappe) in einem Wettkampf und belegte bei den Turnieren in Wien, London, Belfast, Nürnberg und Hamburg erste oder vordere Ränge.

Doch immer stärker machten sich seine »Tage« bemerkbar: Jeder seiner Gegner hoffte auf den »Mason’s Day«. Gelegentlich konnte indes selbst dies ihn nicht anfechten.

Beim Turnier in Monte Carlo 1902 war er zu seiner Partie gegen Janowski nicht auffindbar, schließlich entdeckte man ihn schlafend auf einer Parkbank. Mit viel Kaffee brachte man ihn in einen halbwegs spielfähigen Zustand, und er schlug Janowski in einer Glanzpartie.

Sehen Sie, wie Mason als Weißer mit einem fantastischen (Opfer-)Zug ein strategisch gewonnenes Endspiel herbeiführte, bei dem sein Springer dem gegnerischen Läufer aufgrund der blockierten Stellung weit überlegen war? Was dem von sich überzeugten Janowski gar nicht gefiel. Er führte seine wiederholten Niederlagen gegen Mason auf dessen »abscheulichen Kautabak« zurück. Helmut Pfleger