Er stammte aus einer Bankiersfamilie. Sein Vater war 23-jährig an Krebs gestorben, noch vor der Geburt des Sohnes. Der Großvater übernahm die Erziehung des Enkels mit dem Ziel, ihn als Manager im Familienunternehmen einzusetzen. Er wurde nach Deutschland, Frankreich und die Schweiz geschickt und studierte Architektur in Amerika. Gegen Ende der dreißiger Jahre hielt er sich in Palästina auf, wo er in einem Brief erwähnte, dass er gehört habe, der Bruder einer Jüdin sei von den Nazis ermordet worden. »Sie reden hier nicht viel über die Vergangenheit, sondern ausschließlich über die Zukunft Palästinas, an die jeder mit ganzem Herzen glaubt … es ist die Verwirklichung eines lange währenden Traumes … es ist mehr als eine Zuflucht; es ist das verheißene Land, das Land, das ihnen von Gott gegeben wurde.«

Nach dem Tod des Großvaters arbeitete er mal hier und mal da und erfuhr, dass der Direktor der AEG in Berlin von der Gestapo verhaftet worden war. Obwohl die Gesandtschaft des Heimatlandes seiner Frau die Freilassung erwirkt hatte, gab der Betroffene den Namen des jungen Mannes als förmliche Referenz an. Was er als Privatperson in Berlin bewirkt haben könnte, ist unklar.

Ihm wurde eine Stelle angeboten von einem aus Ungarn nach Holland geflohenen jüdischen Geschäftsmann, der eine Importfirma für Lebensmittel gründen wollte. Ein nichtjüdischer Firmenvertreter wurde gebraucht. Er sagte zu, und nach kurzer Zeit wurde er zum Außenhandelsdirektor der Firma ernannt.

Er bekam einen Kabinettspass. Nur wenige hundert Personen, deren Arbeit für das Heimatland wichtig waren, konnten damals einen Reisepass bekommen. Im Juli 1944 begab er sich nach Budapest, um so viele Menschen wie möglich vor dem Transport nach Auschwitz zu bewahren.

Seit 1942 war die amerikanische Regierung über Massenmorde an den Juden informiert. Es gab verschiedene Ideen für Rettungsaktionen. Präsident Roosevelt hatte eine Organisation ins Leben gerufen, um »die Opfer von feindlicher Unterdrückung zu retten … soweit es die erfolgreiche Weiterführung des Krieges irgend zulässt«. Jüdische Organisationen hatten gefordert, die Eisenbahnlinien nach Auschwitz zu bombardieren. Doch das erschien zu gefährlich.

Das neutrale Heimatland des »Direktors« war bereit, auf die amerikanischen Wünsche einzugehen. Man sprach mit dem Oberrabbiner und intervenierte für die ungarischen Juden. Doch es gab Schwierigkeiten. Schließlich fiel die Wahl auf den »Direktor«, der schon eine Reise nach Ungarn geplant hatte, um Lebensmittel aufzukaufen, sie zu exportieren und außerdem an die Juden zu verteilen.

Die neue Mission war äußerst gefährlich. Im Juni 1944 erhielt er einen Diplomatenpass. In wenigen Monaten stellte er mit Hilfe seiner Mitarbeiter eine Organisation auf, die Unglaubliches meisterte. Er mietete Häuser an, um gefährdete Juden unterzubringen. Er ließ Schutzpässe ausgeben, die nur durch zähe Verhandlungen mit dem ungarischen Ministerpräsidenten genehmigt wurden. Aber bald wurde dieser durch einen nazifreundlichen Funktionär ersetzt, dessen Anhänger rigoros mordeten, wo sie nur konnten. Die Botschaft rief ihre Mitarbeiter zurück.