Es wird immer seltener, dass man sich unter Kollegen der schreibenden Zunft (Dschurnalisten) über ein einzelnes Wort streitet, dass man einen Ausdruck diskutiert, von einer Formulierung schwärmt. Solche Sprachfuzzis sind meist schon etwas älter und werden als wunderlich betrachtet. Auch Hans-Martin Gauger, der Freiburger Romanist, ist inzwischen emeritiert. Als Sprachwissenschaftler kommt er freilich von der anderen Seite. Ihn drängt es immer mehr, das grassierende Dummdeutsch der Medien anzuprangern - getreu seiner Devise: Man darf seine Sprache nicht einfach hinnehmen.

Gauger ist eine prächtige Mischung aus pingeligem Professor und launigem Liberalen. Er hat den Humor und die Lockerheit, das, Was mich nervt - so die allererste Kapitelüberschrift -, in Form von Glossen vorzubringen, denn Sprachkritik sollte das Moralische stets im Auge haben, es sollte immer präsent sein - sie sollte aber nicht moralisieren.

In diesem abwägenden Parlando, sich gleichsam ständig selber moderierend, geht Gauger mit allerlei aktuellen Unarten tüchtig ins Gericht: mit Falschem und Floskelhaftem sowie übertrieben Korrektem und gedankenlos Grässlichem. -

Ein strenges Sprachmanierenbuch und zugleich ein Brevier fröhlicher Wissenschaft, denn Gauger gibt gern zu: Sprache ist, wenn's trotzdem geht.

Hans-Martin Gauger: Was wir sagen, wenn wir reden

Glossen zur Sprache - C. Hanser Verlag, München 2004 - 277 S., 19,90 e