So steht es im Gesetz. Doch das Gesetz wird von Menschen umgesetzt, die ihre eigenen Vorstellungen davon haben, was wichtig und was richtig ist.

Als ich zwei Wochen vor der Wahl nach Eureka County kam, stellte ich fest, dass auch ich von der Wahl ausgeschlossen worden war: weil mein Führerschein abgelaufen sei - er ist nicht abgelaufen, sondern bis 2008 gültig - und weil ich die Frage, welcher Partei ich mich zugehörig fühle, nicht beantwortet hätte. Ich rief die Verwaltungsleiterin von Eureka County an, eine gewählte Beamtin, eine Republikanerin. Sie war es gewesen, die meinen Antrag abgelehnt hatte, und sie wirkte am Telefon ziemlich angespannt. Sie erinnerte sich genau an mich, ich hatte aus Italien geschrieben. Falls bei der Beurteilung meines Führerscheins ein Irrtum unterlaufen sei, lasse sich daran nun nichts mehr ändern, denn die Frist für die Registrierung sei am 12. Oktober abgelaufen. Nein, es sei zwecklos, nach Eureka zu kommen und ihr zu zeigen, dass mein Führerschein noch gültig sei. Jawohl, die Frage nach der Parteipräferenz müsse beantwortet werden. Nein, die Möglichkeit, einen provisorischen Stimmzettel abzugeben, bestehe nicht. Nein, nein, nein.

Zuerst ließ ich den Kopf hängen. Dann besuchte ich Dorothy.

Den republikanischen Wählern in Nevada, sagt Dorothy North, lägen vier Dinge am Herzen: God, Guns, Armageddon and Gay Marriage. Sie ist sechzig, Vorsitzende der Demokratischen Partei in Elko und zweite stellvertretende Vorsitzende der Demokratischen Partei in Nevada. Sie ist klein und rund und verstrahlt die Selbstsicherheit eines Marlboro-Mannes. Sie benutzt Ausdrücke wie I don't give a rat's ass about that und the hell I don't. Ihr Gesicht ist kantig, und wenn man ihr in die Augen sieht, wird man kleinlaut, als würde man in die dunklen Mündungen einer doppelläufigen Schrotflinte blicken.

Ich glaube, allen Europäern mit einer vorgefertigten Meinung über Amerikaner würde es gut tun, sich mal mit ihr zu unterhalten. Denn amerikanischer als Dorothy kann man gar nicht sein - ein Viertel Cherokee, ein Viertel irisch, ein Viertel sizilianisch und ein Viertel französisch. Sie kam als Kind armer Leute in Oklahoma zur Welt, verlor mit elf Jahren beide Eltern, als zuerst ihre Mutter starb und ihr Vater sich danach das Leben nahm. (Indianern fällt es so schwer, die eigenen Gefühle zu zeigen. Es war das Einzige, was er tun konnte, um seinen Kummer auszudrücken.) Sie wurde zu einer Großmutter geschickt, doch als sie 14 war, starb auch die. Sie kam zu einer Pflegefamilie nach Amarillo in Texas, bis sie mit 15 eine strategische Entscheidung traf, wie sie es nennt - heiraten. An Ausbildung war nicht zu denken. Ein Absturz in den Alkoholismus (Mit meinen irischen und meinen Cherokee-Genen hatte ich einfach keine Chance) kostete sie ihre Ehe, zeigte ihr aber auch den Weg in die Politik. Als sie wieder geheilt war, begann sie in der Rehabilitation zu arbeiten, und heute, nach 22 Jahren, leitet sie die größte Kette von Reha-Kliniken in Nevada. Sie sagt: Nichts ist politischer, als sich um Entrechtete zu kümmern - Trinker, Drogenabhängige, Arbeitslose.

Ihre Leidenschaft gehört der Politik, und ihre Ansichten gehören ihr selbst: Osama bezeichnet Amerika als Satan, als Feind der Muslime. Und was tun wir?

Wir greifen ein muslimisches Land an, das uns nicht angegriffen hat! Handeln wie Satan und der Feind der Muslime. Ich fragte Dorothy North, ob es in Nevada noch jemanden gebe, der so denke wie sie, worauf sie erwiderte: Sie würden sich wundern, wie viele - gerade seit dem 11. September.