Zweieinhalb Jahre nach dem Mord an dem Radikalpopulisten Pim Fortuyn ist nun wieder ein Radikaler im öffentlichen Leben der Niederlande ermordet worden: der 47 Jahre alte Filmemacher Theo van Gogh. Wie Fortuyn wurde er auf offener Straße umgebracht, niedergestochen und erschossen. Als dringend tatverdächtig gilt ein Holländer marokkanischer Herkunft.

Die Behörden sprechen von Hinweisen auf einen extremistisch-islamistischen Hintergrund. Van Gogh hatte als Reaktion auf einen überaus provokativen und eindrucksvollen Dokumentarfilm über muslimisch motivierte Gewalt an Frauen zahlreiche Morddrohungen erhalten. Den Film hatte er gemeinsam mit der prominenten feministischen Islam-Kritikerin Ayaan Hirsi Ali gemacht, einer somalischen Einwanderin und heutigen Abgeordneten für die Rechtsliberalen im Parlament. Sie hatte für ihr Engagement schon vor Jahren wegen Morddrohungen für einige Monate untertauchen müssen - so wie jetzt.

Theo van Gogh war nicht bequem. Er verehrte Pim Fortuyn, über ihn drehte er einen Film. Bekannt wurde er nicht zuletzt durch gezielte, oft geschmacklose Provokationen, Antisemitismus inklusive. Geschont wurde niemand. Aber van Gogh stand damit auch für das kompromisslose freie Wort. Wird das in der multikulturellen Gesellschaft zu riskant? Diese Frage reicht über die Niederlande hinaus.