Erst in den kommenden Tagen entscheidet sich, in welchen der knapp entschiedenen Wahlbezirken die Demokraten oder Republikaner Ergebnisse anfechten möchten. Möglichkeiten haben sie jedenfalls wie nie zuvor.

Ein neues Rahmengesetz verpflichtet die Wahllokale, vorläufige Stimmen anzunehmen, wenn sie einen Wähler nicht in ihren Listen finden. Doch ob und wann diese Stimmen zählen, ist umstritten. Die Registrierung von Wählern ist ein kniffliges Geschäft in einem Land ohne Ausweispflicht oder Meldesystem.

Haben sich Zehntausende gleichzeitig in Florida und Ohio angemeldet? Sind Bewohner armer Gegenden und ehemalige Straftäter widerrechtlich von den Listen und aus den Wahllokalen fern gehalten worden? Das ist wichtig. Vor vier Jahren hatten in Florida und New Mexico weniger als 1000 Stimmen den Ausschlag gegeben.

Die ersten Schlagzeilen machten in der Nacht vom Dienstag auf Mittwoch die Wahlmaschinen selber. Vor vier Jahren hatten irreführende Wahlscheine und klemmende Zählmaschinen in Florida für einen zähen Rechtsstreit gesorgt. In vielen Bezirken gibt es deshalb neue Maschinen (obwohl solche vom alten Typ etwa in Ohio weiter verwendet werden). Ein Drittel der Amerikaner wählte am Dienstag papierlos: Sie tippten mit dem Finger auf den Namen ihres Kandidaten auf einem Bildschirm, ihre Stimme wanderte in eine virtuelle Wahlurne, wo sie blitzschnell und automatisch zu allen anderen Stimmen addiert wurde.

Meistens.

Es gab aber auch Wähler wie Brian Nicks, der im kalifornischen Santa Clara seine Stimme abgab. Vote Save Error #9 stand danach auf dem Schirm, die Stimmabgabe sei abgebrochen. In Indiana mussten etliche Bezirke ganz auf handgeschriebene Wahlscheine umsteigen, in New Orleans stiegen die Geräte reihenweise aus, sorgten für Schlangen, frustrierte und sogar abgewiesene Wähler. Dem Anwalt Matt Zimmerman von der kalifornischen Electronic Frontier Foundation kamen gar mehrere Fälle von Kandidaten-Tausch zu Gehör: Wähler wollten für Kerry stimmen, aber die Maschine zeigte angeblich eine Stimme für George Bush an.

Nur eins geht bei den neuen Maschinen nicht: Die meisten zeichnen die Ergebnisse nicht mehr auf Papier auf, sodass bei Zweifeln die Stimmen nicht neu gezählt werden können. Wenigstens insofern ist eine Wiederholung von Florida 2000 unwahrscheinlich.