Palästinenser-Präsident Jassir Arafat kämpft weiterhin mit dem Tod. Laut Angaben des ranghöchsten Militärarztes Christian Estripeau in Paris hat sich der Zustand Arafats aber "nicht verschlechtert". In seinem knappen Statement hieß es am Freitagabend lediglich, die Lage habe sich stabilisiert. Noch immer ist unklar, woran Arafat genau leidet.

Laut der palästinensischen Sprecherin Leila Schahid "schwebt Arafat zwischen Leben und Tod". Sie wies jedoch israelische und französische Medienberichte über einen Hirntod Arafats zurück.

Israels Justizminister Josef Lapid sagte dagegen im israelischen Fernsehsender Kanal Zwei: "Es ist jetzt klar, dass Arafat hirntot ist, klinisch tot." Die Ärzte hielten ihm am Leben und müssten entscheiden, wann sie damit aufhörten. Lapid war der erste ranghohe Vertreter der israelischen Regierung, der sich derart explizit zu Arafats Zustand äußerte.

Unterdessen begann die Diskussion um eine Grabstätte für Arafat. Der höchste muslimische Geistliche in Jerusalem erklärte, Arafat wolle in der heiligen Stadt beigesetzt werden. Israel lehnt dies strikt ab. Justizminister Lapid sagte im Fernsehen: "In Jerusalem sind jüdische Könige begraben, keine arabischen Terroristen." Israel werde es den Palästinensern gestatten, Arafat im Gazastreifen beizusetzen. Der ehemalige ägyptische Botschafter in Israel, Mohammed Bassiuni, schlug vor, eine Trauerfeier außerhalb der palästinensischen Gebiete abzuhalten und Arafat im Gazastreifen beizusetzen.

Rivalisierende palästinensischen Gruppierungen trafen sich am Freitag in Gaza, um über Sicherheitsmaßnahmen im Falle von Arafats Tod zu beraten. Neben Vertretern des Islamischen Dschihad und der Hamas nahmen auch Funktionäre der Fatah-Bewegung an dem Treffen im Parlamentsgebäude in Gaza teil.

Die Europäische Union rief die palästinensische Führung auf, angesichts Arafats Zustand für Ruhe in Westjordanland und Gazastreifen zu sorgen. Der niederländische Ministerpräsident und EU-Ratsvorsitzende Jan Peter Balkenende erklärte auf dem EU-Gipfel in Brüssel, die EU stehe dem palästinensischen Volk solidarisch zur Seite. Arafats Zustand dürfe die Friedensbemühungen jedoch nicht beenden.