Die drei Vertreter der EU – Deutschland, Frankreich und Großbritannien – und Teheran sollen sich am Wochenende in Paris über das iranische Nuklearprogramm verständigt haben. "Die Verhandlungen waren sehr schwer und kompliziert, aber wir haben eine vorläufige Vereinbarung auf der Ebene der Experten erzielt", sagte der iranische Delegationsleiter Hossein Musawian am Sonntag im iranischen Fernsehen. Aus EU-Diplomatenkreisen hieß es, "die Gespräche wurden nach wesentlichen Fortschritten beendet."Mit der vorläufigen Übereinkunft soll Iran dazu bewegt werden, sein Urananreicherungsprogramm aussetzen. Die EU-Staaten würden im Gegenzug Handelsbeziehungen und Nukleartechnologie zur friedlichen Nutzung, darunter einen Leichtwasser-Forschungsreaktor, in Aussicht stellen. "Dieses Abkommen enthält politische, wirtschaftliche, sicherheitspolitische und technologische Kooperation" sagte Musawian. Es sei auch ein Schritt, um Vertrauen aufzubauen. Nun muss noch Irans geistliches Oberhaupt Ali Chamenei seine Zustimmung erteilen.Die Europäische Union verlangt bisher - ebenso wie die USA - den völligen Verzicht Teherans auf die Urananreicherung, denn die islamische Republik wird verdächtigt, ihr ziviles Atomprogramm als Tarnung zu nutzen, um Nuklearwaffen herzustellen – Iran beharrt dagegen darauf, dass das Programm nur der Stromerzeugung dient.Die Internationale Atomenergieorganisation (IAEO) hat Teheran bis zum 25. November Zeit gegeben, alle Zweifel auszuräumen und sein Nuklearprogramm einzustellen; sonst könnte der UN-Sicherheitsrat eingeschaltet und Sanktionen verhängt werden.Mohammed al-Baradei, Direktor der IAEO, zeigte sich über den vorläufigen Kompromiss vorsichtig optimistisch: "Ich hoffe, dass dies zum gewünschten Ergebnis führt und der Iran alle Aktivitäten zur Aufbereitung und Anreicherung einstellt und damit den Weg für eine Normalisierung seiner Beziehungen zur internationalen Gemeinschaft ebnet", sagte er am Montag in Sydney am Rande einer regionalen Sicherheitskonferenz.Indes betrachten die Vereinigten Staaten die Verhandlungsbemühungen der EU mit Skepsis. Washington will sich nicht auf den iranischen Kooperationswillen verlassen. Ginge es nach der Bush-Regierung, würde der Fall besser heute als morgen im UN-Sicherheitsrat landen. Auch Israel ist überzeugt davon, dass das iranische Programm einen militärischen Zweck verfolgt.Doch aus der Angelegenheit droht ein weltpolitischer Streit zu werden: China hat es abgelehnt, den Konflikt vor den Sicherheitsrat zu bringen. Dies würde die Sache nur komplizierter machen, sagte der chinesische Außenminister Li Zhaoxing am Samstag in Teheran.Wird der wiedergewählte Präsident Bush nach einem internationalen Konsens suchen oder das iranische Atom-Problem nach dem Schema Irak behandeln? Auch wenn einige Hardliner in Washington schon mit Militärschlägen drohen – fest steht bisher nichts. Der britische Außenminister Jack Straw machte am vergangenem Donnerstag klar, dass sich sein Land an einer Militäraktion gegen den Iran nicht beteiligen würde. "Ich kann mir keine Bedingungen vorstellen, unter denen Militäraktionen gegen den Iran gerechtfertigt sein würden", sagte er in einem BBC-Radiointerview. Er glaube allerdings auch nicht, dass die USA ein militärisches Eingreifen planten. Die internationale Gemeinschaft wolle den Streit um das iranische Atomprogramm "konstruktiv" lösen.Alain-Xavier Wurst, mit dpa, reuters, ap