Liebe Freunde diesseits der Grenze, vor kurzem habe ich erfahren, dass der 14. Juli in Frankreich abgeschafft werde. Genauer gesagt, nicht abgeschafft, sondern - was revient strictement au même - auf irgend einen Sonntag vertagt, au diable vauvert , um ein paare Pfennige zu sparen. Hätte man mir gesagt, ab jetzt werde in Frankreich nur Englisch gesprochen oder ein Croissant-Verbot ausgesprochen (was für manche Personen hierzulande allerdings gerechtfertigt wäre), wäre es nicht schlimmer gewesen. Ich will in diesem Land nicht mehr leben. Kein 14. Juli mehr heißt: keine Bastille (zehn Jahre lang habe ich in diesem Viertel gewohnt, und jetzt, pffft, alles weg), kein bal des Pompiers mehr! Das ist kaum vorstellbar. Sehen Sie, an jeden 13. Juli gehen wir am Abend in die Feuerwehr-Kasernen und tanzen bis tief in der Nacht. Diese Atmosphäre des "Bonsoir-Mademoiselle-vous-dansez?" ist mit nichts zu vergleichen. Wer es erlebt hat, versteht, warum so viele Franzosen um den 14. April herum Geburtstag feiern, und dass Frankreich noch ein bisschen mehr brennt am 14. Juli als sonst. So schlimm ist es auch nicht - Es hilft der Wirtschaft, und ist das nicht das, was man erreichen will? Aber auch: kein 14 Juli, kein Champs-Elysées. Und was sind die Concorde und der Arc de Triomphe ohne die Champs Elysées? Nichts. Damit fällt auch der Eiffelturm in die Seine, also kurz gefasst, das hieße: kein PARIS mehr. Und von keinem Paris zu keinem Frankreich ist es nur ein kleines Flüsschen, das ich frisch-fröhlich überquere. Und wenn es kein Frankreich mehr gibt, muss ich die deutsche Staatsangehörigkeit beantragenDenn in diesem Land weiß man, welche Urkraft ein Symbol mitträgt. Danke, danke, dass Deutschland den 3. Oktober als Feiertag behalten hat!Ihr Alain Xavier Wurst