So handelt es sich nur scheinbar um ein Gleichgewicht der Kräfte. Das Land ist in den vergangenen Jahren immer weiter nach rechts gerückt. Die Rechte hat so viel Macht wie zuletzt in den zwanziger Jahren. Sie gewann seit 1968 sechs von neun Präsidentschaftswahlen. Zum ersten Mal seit 1946 halten die Republikaner eine Mehrheit aller Sitze in den Staatsparlamenten besetzt. Vor allem dominieren Konservative die Agenda der Gesellschaft. Stützten Anfang der neunziger Jahre noch zwei Drittel der Amerikaner die gegenwärtige Abtreibungsregelung, so ist es heute nur noch die Hälfte. "Die Bühne ist bereitet", schreiben John Micklethwait und Adrian Wooldridge in The Right Nation , "damit die Republikaner die Demokraten als natürliche Regierungspartei ablösen."

Vielleicht ist die Wahl dieser entscheidende Moment gewesen. Auch wenn die rot-blaue Karte fast genauso aussieht wie zuvor, sie verhüllt eine deutliche Machtverschiebung. George Bush hat 3,5 Millionen Stimmen hinzugewonnen. Ins Amt trugen ihn Wählermassen aus dem roten Amerika, die zuvor bei Wahlen zu Hause geblieben waren, darunter viele Rechts-Christen. Das Land hat über die Stadt gesiegt, das traditionelle über das moderne, das religiöse über das säkulare Amerika – eine Umkehrung der westlichen Modernisierungsgeschichte seit der industriellen Revolution. Nun werden die Republikaner versuchen, die Demokraten zur permanenten Minderheitspartei zu schrumpfen und in ein 30-Prozent-Ghetto rund um die städtischen Cappuccino-Bars einzupferchen. Das wäre der Sieg im kulturellen Bürgerkrieg Amerikas.