VW-Chef Bernd Pischetsrieder und sein Personalvorstand Peter Hartz können sich freuen: Rund eine Milliarde Euro soll der neue Tarifabschluss nach ihrer Kalkulation in den kommenden Jahren bei den Arbeitskosten einsparen. Genauso glücklich dürfen sich VW-Betriebsratschef Klaus Volkert und die IG Metall fühlen. Zwar mussten sie faktisch eine dreijährige Nullrunde bei den Löhnen schlucken und neue Kollegen werden künftig deutlich weniger verdienen als die Stammbelegschaft, aber dafür bekamen sie die 103.000 Arbeitsplätze in den sechs westdeutschen VW-Werken bis zu Jahr 2011 garantiert. In diesen Zeiten ein nicht zu unterschätzender Erfolg.Lauter Gewinner also?Nur, wenn die gesamte Kalkulation aufgeht. Die Jobgarantie funktioniert nämlich nur dann, wenn es VW schafft, in den kommenden Jahren wieder deutlich mehr Kunden für Golf und Passat zu begeistern als zuletzt. Pischetsrieder und seine Vorstandskollegen setzen also auf Wachstum. Die Wolfsburger trauen sich was zu. Das ist mutig.In diesem Punkt unterscheiden sich die Chefs in Wolfsburg deutlich von ihren Kollegen bei General Motors in Detroit und Zürich, die offenbar nicht mehr daran glauben, mit ihren Marken Opel, Vauxhall und Saab die Verkäufe in Europa deutlich steigern zu können. Wenn die optimistische Wolfsburger Strategie funktionieren soll, genügt es aber nicht, bei den Löhnen zu sparen. Die Abläufe bei VW müssen schneller und effizienter werden. Vor allem aber müssen die kommenden Modelle wie der neue Passat, der Hochdach-Golf oder der kleine Geländewagen, der jetzt in Wolfsburg vom Band laufen soll, beim Publikum punkten: in Qualität, Design und Technik.Preis- und qualitätsbewusste Autokäufer, die derzeit scharenweise zu Marken wie Toyota oder Hyundai überlaufen, müssen wieder davon überzeugt werden, dass es sich lohnt, einen Volkswagen zu kaufen. Zum Ausruhen bleibt bei VW keine Zeit – weder in den Werkshallen noch in den Designstudios und Managementetagen. Niemand in Wolfsburg sollte sich der Illusion hingeben, dass dies eine einfache Aufgabe wird.