Ein Menschenmeer umdrängte Jassir Arafats Sarg, der von einer Palästinenserflagge umhüllt ist. Mehr als 100.000 Menschen waren anwesend, als der verstorbene PLO-Chef in der "Mukata" in Ramallah beerdigt wurde. "Mit unserer Seele, mit unserem Blut, wir werden um deine Erlösung kämpfen, Abu Ammar", rief die Menge, ein Schwur als letzte Ehre für den historischen palästinensischen Held.Zehntausende Palästinenser hatten am Nachmittag das abgesperrte Gelände in der Nähe der Grabstätte gestürmt, um die Beerdigung Jassir Arafats in Ramallah verfolgen zu können. Die palästinensische Polizei hatte erfolglos versucht, die Menschen zurückzudrängen. Die Sicherheitskräfte sollten nur geladene Gäste in die "Mukata" einlassen. Doch die Trauernden durchbrachen Tore und überkletterten Mauern des zerstörten Amtssitzes, in dem der PLO-Chef zwei Jahre wie ein Gefangener gelebt hatte. Die Ruine ist in den letzten Jahren zum Symbol des Widerstands gegen Israel geworden. Hier stand Arafat bis zu seiner Evakuierung nach Paris unter Arrest, hier soll er nun seine letzte Ruhestätte gefunden haben.Ursprünglich wollte der Palästinenserpräsident in Jerusalem beerdigt werden. Ariel Scharon hatte diesen Wunsch jedoch sofort abgelehnt: "So lange ich hier bin – und ich habe keinerlei Absicht, meinen Platz zu räumen – wird Arafat nicht in Jerusalem begraben." Daraufhin hatte die ägyptische Regierung angeboten, die Trauerfeier in Arafats Geburtsort Kairo auszurichten, um den arabischen Staatschefs und weiteren ranghohen Politikern aus aller Welt die Möglichkeit zu eröffnen, dem Palästinenserpräsidenten die letzte Ehre zu erweisen.Die offizielle Trauerfeier hatte am Morgen auf dem Militärflughafen Al-Masa in Kairo mit einem Totengebet begonnen. Scheich Mohammed Sajed Tantawi, ranghöchster Moslem Ägyptens und Rektor der El-Ashar-Moschee, sprach in Anwesenheit einer kleinen Zahl muslimischer Politiker und Weggefährten Arafats. Anschließend kondolierten Dutzende von Staats- und Regierungschefs in einem Zelt der Palästinenserführung. Die Beileidsbezeugungen nahmen unter anderem der Vorsitzende des PLO- Exekutivkomitees, Mahmud Abbas, und der neue Fatah-Generalsekretär, Faruk Kaddumi, entgegen. Im Gazastreifen fand zeitgleich zur Beerdigung im Westjordanland nach dem Freitagsgebet ein Trauerzug statt. Während der Beisetzung versetzte Israel seine Sicherheitskräfte in höchste Alarmbereitschaft und stationierte zusätzliches Militär in Ost-Jerusalem in der Nähe des Tempelbergs. Dort wurden zum letzten Freitagsgebet des Ramadan nur muslimische Männer über 45 und Frauen zugelassen. (AXW)