So will man einen Filmanfang. Mit einem Bild, das für alle Figuren, Schicksale, Wege offen scheint, dabei die Pranke des Regisseurs auf seiner Geschichte erkennen lässt. Natürlich vermitteln Straßen, die sich aus dem Nirgendwo des Horizonts ins Bild schlängeln, immer ein Gefühl des On-the-Road-Seins. Christoph Hochhäuslers Protagonisten sind unterwegs und auf der Suche. Aber schon das Licht über den verdorrten Kornfeldern unterläuft jeden Anflug von Bewegung und Aufbruch.

Dissonante Klänge ertönen, die aus ihrer Dramatik keinen Hehl machen.

Hemmungslos nutzt Hochhäusler die grau-schwarzen Wolken eines aufziehenden Spätsommergewitters, um seinen Film mit unheilvoller Stimmung aufzuladen. Die Schwere der stickigen Luft scheint auch auf die Schultern der beiden Kinder zu drücken. Mit gesenktem Kopf trotten sie am Straßenrand entlang, wie bestellt und nicht abgeholt. Das alles wirkt schwer, soll es auch, und warum auch nicht?

Das Mädchen und sein kleiner Bruder wurden von der Stiefmutter Sylvia aus dem Auto geworfen, nachdem sie diese mit fürchterlichem Gequengel zur Weißglut gebracht haben. Nach einer Zigarettenpause will die Frau das Geschwisterpaar wieder einsammeln, doch längst haben sich die beiden im Wald verlaufen.

Ohne viel Federlesens betont Hochhäusler mit seinen aufgeladenen Landschaftsbildern schon zu Beginn, dass es ihm um mehr als das konkrete Verhältnis zwischen Stiefmutter und den Kindern geht. Dass sein Film auf einen Überhang, auf etwas Exemplarisches, Allgemeingültiges hinarbeitet.

Tatsächlich will der Regisseur Hänsel und Gretel, das Märchen über ein von den Eltern ausgesetztes Geschwisterpaar, in die Gegenwart überführen. Dabei übernimmt Hochhäusler schon mit dem Titel Milchwald die grimmsche Demontage des schützenden und ernährenden Elternhauses.

Die Grausamkeit des Märchens kommt hier weniger aus den einzelnen Menschen als aus ihren Lebensumständen und einer von vornherein desolaten Umgebung.