Diese Geschichte sollte vom Erfolg eines Unternehmers handeln, eines 22Jährigen, der schlecht in der Schule war und dann zwei Millionen Euro Umsatz im Jahr machte und die Bahn in ihrem eigenen Geschäft übertrumpfte, dem Fahrkartenverkauf. Bastian K.: vom Azubi zum Unternehmer. Eine schöne Geschichte in einer Zeit, in der viele mehr Mut und Unternehmertum fordern. K. war ein Hoffnungsträger – vom "jüngsten Unternehmer Bremens" schrieb Bild, "er mietet kleine Bahnhöfe an und verdient jetzt großes Geld". Das Wirtschaftsmagazin brand eins schrieb vom Jungunternehmer, der Gemeinden vor einem toten Bahnhof rette. Das war im Juli 2004. Drei Monate später ist das Geschäft von Bastian K. ruiniert, die Bahn hat ihm gekündigt, von den sieben Filialen, die er besaß, ist ihm eine geblieben. Die Bahn hat beim Berliner Landgericht eine einstweilige Verfügung auf Unterlassung erwirkt, die es ihm schwer macht, darüber zu sprechen, was in den vergangenen drei Monaten passiert ist. Und sie prüft, zivil- und strafrechtliche Schritte gegen K. einzuleiten.

Wenn man Bastian K. zum ersten Mal begegnet, ist man überrascht von seiner Lockerheit, er wirkt nicht wie jemand, der einen Haufen Probleme hat. Wie er redet, das erinnert an einen dieser besserwissenden Schüler, die früher Lehrer zur Weißglut brachten. Sein Büro ist ein Lagerraum, in dem sich Getränkekisten türmen. Es gehört zu einem Laden, dem einzigen im Bahnhof Bremen-Burg. Hier fing am 1.Oktober 2002 alles an, damals gab es statt des Ladens nur einen Ticketschalter. Zeitungen, Gebäck und Kaffee bot erst K. an, und er verlängerte die Öffnungszeiten. Er hatte Erfolg, weil er das Gegenteil von dem tat, was die Bahn vorhatte – die wollte den Schalter schließen und einen Automaten aufstellen.

K. hatte das Gymnasium besucht, ging aber mit Hauptschulabschluss ab, war Jahrgangsschlechtester. Er habe keine Lust auf Schule gehabt, sagt er. Er schrieb eine Menge Bewerbungen, bis ihn die Deutsche Bahn nahm, als Auszubildenden zum Kaufmann für Verkehrsservice. Er sagt, dass er seine Vorgesetzten oft nervte, ihnen ständig widersprach und deswegen Dienst auf dem Bahnsteig machen musste, sobald es kälter als fünf Grad war.

Die Prüfung bestand K. mit Auszeichnung. Von der Handelskammer bekam er den mit 1500 Euro dotierten Hermann-Leverenz-Preis, der die besten Kaufleute fördert. Von seinem Vorgesetzten hörte er, wie heilfroh der sei, dass sie nun nichts mehr miteinander zu tun haben würden. K. war zunächst SBahn-Kontrolleur, später Schaffner und Zugchef und warf hin, als er von einem anderen Schaffner angebrüllt wurde, grundlos, wie er sagt. K., der Querulant? Ob in der Schule, in der Ausbildung oder im Beruf, immer hat er Probleme mit Autoritäten, so scheint es. K. war arbeitslos.

Dennoch ging er am nächsten Tag zum Mittagessen in die Bahnkantine. Dort hörte er, wie der Vertriebsleiter davon sprach, dass der Fahrkartenschalter in Bremen-Burg geschlossen werden solle. K. mischte sich ein. Wieso schließen? Das geht auch anders! Der Vertriebsleiter sagte: "Wenn du alles besser weißt, mach es besser."

Eine Nacht lang grübelte K.. Am nächsten Morgen ging er zum Vertriebsleiter. Die Bahn verlangte eine Mietsicherheit und eine Bankbürgschaft. "Versuch mal", sagt K., "als 19-Jähriger ohne Immobilie, Kapital und Job, eine Bürgschaft zu bekommen!" Er lief von Bank zu Bank, bekam Absage um Absage und zu hören: "Fragen Sie doch Ihre Mami." Die aber wollte er nicht fragen. Er wollte es selbst schaffen, und sie hätte eh kein Geld gehabt.

Irgendwann erhielt K. die Bürgschaft. Der Bremer Bank gefiel die Idee und das Risiko. Schon im ersten Monat verkaufte K. 50 Prozent mehr Karten als zuvor die Bahn. Er stellte seinen ersten Mitarbeiter ein. Kurz darauf las er in einer Lokalzeitung, dass im Bahnhof von Eystrup, einem Ort zwischen Bremen und Hannover, der Schalter geschlossen würde. Er rief den Bürgermeister an und hatte fünf Tage später die zweite Filiale. Ein Jahr später hatte er insgesamt sieben Filialen, vier weitere waren im Bau, er beschäftigte 20 Mitarbeiter.

Den Umsatz machte K. zum größten Teil mit Menschen zwischen 60 und 70Jahren. Von "fachlich hochstehender" und "freundlichster" Beratung schreibt ein Kunde in einem Brief an die Bahn. K. richtete eine Sitzecke ein und einen Gepäckdienst, der das Gepäck zu Hause abholte. Die Bahn bot K. an, neben den Schaltern auch zwei Bahnhofsshops zu übernehmen, in Eitorf bei Köln und in Siegen-Weidenau. K. war glücklich, die Bahn ebenso. "Es gab keinerlei Anhaltspunkte, dass etwas schief laufen könnte", sagt Achim Stauß, Pressesprecher bei der Bahn. "Herr K. hat überall die Umsätze gesteigert, die Kunden gut betreut, er hat regelmäßig abgerechnet." Bis angeblich im April die Zahlungsrückstände anfingen. Die Bahn spricht von rund 300000 Euro.