Sie haben während Ihres Studiums als Cutter und Regieassistent gearbeitet. Zuvor hatten Sie schon eine Ausbildung zum Elektro- und Videotechniker abgeschlossen. Wie wichtig ist technisches Know-how für Fernsehjournalisten?

Für einen Filmemacher ist es wichtig, dass er weiß, was mit dem Medium möglich ist. Er muss das Handwerk beherrschen. Das vermisse ich bei vielen Korrespondenten. Man merkt, dass ihre filmische Fantasie beim Drehen eines Beitrags äußerst begrenzt ist. Bilder sind aber nun einmal entscheidend im Fernsehen, das gesprochene Wort reicht nicht. Dass ich, der ich von der technischen Seite komme, heute vor der Kamera arbeite, war eher Zufall.

Wie ist es dennoch dazu gekommen?

Das hat mit einem Interview mit Udo Jürgens begonnen. Es gab im dritten Programm des WDR die Sendung Aktuelle Stunde, da arbeitete ich als freier Filmemacher. Für eine neue Serie sollten Künstler wenige Minuten vor ihrem Auftritt überrascht werden. Schließlich stand ich bei Udo Jürgens in der Garderobe. Er saß nackt auf der Massagebank, hat sich einen Scherz gemacht und sich nur ein Handtuch über seinen Udo gelegt. Ich hatte eine Plastiktüte mit ein paar Musikinstrumenten dabei, weil ich irgendwo gelesen hatte, dass Udo Jürgens bis auf Violine jedes Musikinstrument spielen könne. Es entwickelte sich ein Gespräch, wir saßen gemeinsam auf der Massagebank, und er hat dann tatsächlich nackt mit jedem Instrument seine Songs gespielt. Das Ganze soll sehr komisch gewesen sein und führte jedenfalls dazu, dass der Redakteur zu mir sagte: Komm, so schlimm war das gar nicht, jetzt mach’s noch ein zweites Mal.

Welche Voraussetzungen sollten angehende Fernsehjournalisten mitbringen?

Neben dem Handwerk vor allem die Neugier. Man muss sich wirklich für Menschen, Themen, die Welt in all ihren Facetten interessieren. Die Neugierde darf nicht gespielt sein – das kann man nämlich spüren. Manche Leute verirren sich in diesen Beruf, die eine ganz andere Sehnsucht haben: Die wollen sich selbst darstellen.