Als Peter Köhler kürzlich vor der Belegschaft eines mittelständischen Unternehmens über das Thema betriebliche Altersversorgung referierte, machte er eine erstaunliche Erfahrung. Von 80 Arbeitern waren nur zwei interessiert an einer Betriebsrente. Von den insgesamt 30 Angestellten hingegen erbaten direkt nach der Veranstaltung immerhin 28 eine persönliche Beratung.

Ausgerechnet die Leute, die eine Betriebsrente am nötigsten brauchen, erreicht man damit nicht, sagt der Vorsorgespezialist von dem Freiburger Versicherungsmakler Thomae und Partner frustriert. Tatsächlich nutzen nur maximal 15 Prozent der Belegschaften in Großkonzernen nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für betriebliche Altersversorgung die Möglichkeit zur steuerbegünstigten Entgeltumwandlung. Im Mittelstand und bei Kleinbetrieben ist danach die Quote noch weitaus geringer.

Von der Hochstimmung, die Ex-Arbeitsminister Walter Riester im Jahr 2001 mit seiner Betriebsrentenreform vor allem bei Finanzdienstleistern und Gewerkschaften ausgelöst hatte, ist längst nichts mehr zu spüren. Auch die rot-grüne Regierung hatte sich von der Reform eine kraftvolle Renaissance der kümmerlich vor sich hin dümpelnden Betriebsrenten versprochen. Denn in dem neuen Betriebsrentengesetz wurde erstmals der Rechtsanspruch auf eine betriebliche Altersvorsorge verankert. Seit 2002 kann jeder Arbeitnehmer von seinem Chef eine Betriebsrente verlangen, egal, wie groß das Unternehmen ist.

Auch Mitarbeiter einer Pommesbude sollten so für ihr Alter vorsorgen können.

Finanzieren muss die Betriebsrente in der Regel der Beschäftigte allerdings selbst - wenn auch vom Staat steuerlich gefördert. So muss ein Arbeitnehmer, der bis maximal vier Prozent von seinem Bruttoeinkommen für die Betriebsrente spart, davon keine Steuern und - bis 2008 - auch keine Sozialbeiträge zahlen.

Gleichzeitig wurden Pensionsfonds erlaubt. Vorbild waren die Angelsachsen mit ihren riesigen Pensionsfonds, die in den USA und Großbritannien über große Teile der Privatvermögen verfügen. Schon sahen sich biedere Gewerkschafter als Schlüsselfiguren bei der Verwaltung gigantischer Geldsummen. Eilig bastelten die Tarifpartner an passenden Vorsorgemodellen, schlossen Verträge mit Versicherungen und Banken, stampften neue Versorgungswerke für die Beschäftigten ihrer Branchen aus dem Boden. Doch der erhoffte Ansturm blieb aus.

Wer kein Urlaubsgeld bekommt, kann es auch nicht zurücklegen