Beharrlich gräbt sich das rote Raupenfahrzeug durch vermintes Gelände. Durchpflügt Quadratmeter für Quadratmeter. Plötzlich eine Explosion, ein Feuerball blitzt auf. Aus der Staubwolke, die noch minutenlang in der Luft steht, kriecht das gepanzerte Gefährt unversehrt heraus und setzt seine Arbeit fort. Es hat nur ein paar Stöße abbekommen. Den Fahrer in dem turmartigen Führerhäuschen hat es lediglich kräftig durchgeschüttelt.

Den Film vom Minenwolf im Einsatz zeigt Heinz Rath derzeit häufig: vor Politikern, Journalisten, Funktionären von humanitären Organisationen. Zwar ruckeln die Bilder ein wenig, die Geschäftsführer Tobias Schmidt aus dem Laptop auf die Leinwand wirft, und der Film hat noch keinen Ton. Aber das Wichtigste ist zu erkennen: Der Minenwolf, das erste Minenräumfahrzeug, das sowohl Panzer- als auch Personenminen unschädlich machen soll, funktioniert.

"Mit dem Minenwolf schaffen wir doppelt so viel Fläche wie andere, und das für den halben Preis", sagt Heinz Rath. Er sitzt im Konferenzraum des Koblenzer Technologiezentrums und streicht sich zufrieden durchs silbergraue Haar. Er wirkt ein wenig fremd zwischen den jungen Leuten, die das Bild auf den Fluren des Technologiezentrums bestimmen. Hier, zwischen Software-Programmierern und Web-Designern hat die Minewolf Systems zwei Büros gemietet.

Zurzeit ist das Fahrzeug in Bosnien im Einsatz

Ein ganzes Arbeitsleben hat Rath als Ingenieur für einen Automobilzulieferer gearbeitet, er gilt als Vater der Scheibenbremse. Als er vor sechs Jahren pensioniert wurde, hätte er sich seinem Hobby Tennis widmen können. Aber er wollte eine Idee verwirklichen. Deshalb ist Heinz Rath mit 68 Jahren noch einmal unter die Start-up-Unternehmer gegangen. Fernsehbilder von Minenopfern in den Bürgerkriegsregionen der Welt hatten ihn nicht mehr losgelassen. Bilder von Kindern, denen Gliedmaßen weggerissen wurden, weil sie beim Spielen auf eine Mine getreten waren. Von Dörfern in Afrika, deren Einwohner nur unter Lebensgefahr zum Brunnen gehen können.

Und dann war da ein Zeitungsartikel, der über die Probleme bei der Entwicklung moderner Minenräumtechnologien berichtete. Darin las Heinz Rath, dass es auf Jahre hinaus keine zuverlässigere Methode geben werde, als Minen mit Sprengstoffhunden zu suchen, sie vorsichtig mit der Hand aus dem Boden zu buddeln und mit einer Art Stricknadel unschädlich zu machen. Ein Verfahren, das ebenso langwierig wie lebensgefährlich ist. 450 Jahre würde es wohl dauern, alle 100 Millionen weltweit verlegten Landminen "mit Hand und Hund" zu räumen.

Der Ehrgeiz des Ingenieurs war geweckt. "Ich konnte mir nicht vorstellen, dass es da nicht eine andere Möglichkeit gibt", erinnert sich Rath. Er knüpfte Kontakte zur Bundeswehr, was in Koblenz, wo das Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung sitzt, nicht allzu schwer ist. Rath sprach mit Waffenherstellern und besuchte minenverseuchte Landstriche in Mosambik. "Ich habe gesehen, wie den Sprengmeistern der Angstschweiß auf der Stirn stand", erinnert sich Rath.

Der Ingenieur Rath lernte, dass keines der bisher eingesetzten Minenräumfahrzeuge die Suche von Hand ersetzen konnte. Sie konnten entweder nur Panzer- oder nur Personenminen unschädlich machen. Außerdem waren die Fahrzeuge gepanzerte Monster, die nur schwer transportiert werden konnten und für unwegsames Gelände viel zu unbeweglich waren.