Das kleine Museum neben dem Château de Pujol ist Tag und Nacht geschlossen, sieben Tage die Woche. Es ist von außen nicht mal als Museum erkennbar. Drinnen vermutet man den Inhalt einer Scheune. Kein Fenster lässt Einblicke zu, Neugierde prallt am Holztor ab. Jeder Besuch ist außerplanmäßig.

Die Sturheit, mit der Hausherr Robert verhindert, dass Besucherströme sein Anwesen am Nordrand der Pyrenäen heimsuchen, ist Teil der Bégouënschen Familiengeschichte. Er hält es mit der Öffentlichkeit nicht anders als Großvater Henri und Vater Louis. Auch sein Sohn Eric wird an der Gepflogenheit nichts ändern. Andere hätten das Museum und die familieneigenen, einst von Steinzeitjägern bewohnten Höhlen Enlène, Les Trois Frères und Tuc d'Audoubert zur Touristenattraktion gemacht. Wird sie der Öffentlichkeit überlassen, ist eine Höhle für die Wissenschaft verloren, zitiert Robert seinen Großvater Henri, den einstigen Professor der Urgeschichte. Es gab Menschen, die reisten aus den USA an, um einen Blick auf die Zeichnung des Zauberers in Les Trois Frères zu werfen, ein tierisch-menschliches Mischwesen mit mächtigem Geweih. Sie wurden freundlich bekocht. Als es aber um die Frage einer Höhlenbesichtigung ging, sprach Bégouën: Non.

Die Entschlossenheit traut man dem 64-Jährigen auf den ersten Blick nicht zu.

Ein freundliches Grinsen täuscht Nachgiebigkeit vor, die buschigen Augenbrauen verleihen ihm etwas Kauziges. Bezüglich seiner drei Volp-Grotten lässt dieser charmante Mensch allerdings keinen Zweifel daran aufkommen, dass von ihrem Schutz die Ehre der Familie abhängt, mindestens.

Im Museum dreht er das Licht an, öffnet altmodische Vitrinen, greift nach einem Lachs, in Knochen geschnitzt: Den habe ich selbst gefunden, 1975.

Dann nach einem Kinderunterkiefer mit Loch: Die hängten sich die Mandibeln verstorbener Kinder vermutlich um den Hals. Bégouën klaubt eine Kostbarkeit nach der anderen heraus - rund 14 000 Jahre alte Funde aus Enlène. Hunderte durchlöcherte Rentierzähne fanden sich im Höhlenschutt. Mindestens ein Millennium lang lebten während der Zeit des sogenannten Magdalénien Menschen in den Höhlen, davon zeugen auch Muscheln, Nähnadeln und Ockersteine mit Einbuchtungen. Die dienten den Künstlern als Farbdöschen, sagt Bégouën. Was aber fingen die Kreativen mit den Zehntausenden angeschleppten, teils gravierten, teils zerkratzten Sandsteinplättchen an? Frühstücksbrettchen, vermutet Bégouën. Sie verzierten sie mit Alltagskunst. Viele könnten auch als Schotterunterlage zum Schlafen gedient haben: Eine Art Isomatte.

Bégouën gilt in Frankreich als einer der besten Kenner von Höhlenkunst. Er ist Mitglied der Forschergruppe, die auf seinem Grundstück seit 1985 Hunderte paläolithische Kunstwerke und die Lebensweise ihrer Urheber untersucht. Um seine ganze Energie in diese Arbeit stecken zu können, hat er aufgehört, Versicherungen zu verkaufen. Der Mann im Un-Ruhestand ergreift einen Knochen.