Noch im vergangenen Jahr legte der Geschäftsführer des DuMont Reiseverlags Uwe Distelrath ein klares Bekenntnis zum Reiseverlag ab. Die Qualitätsführerschaft seines Hauses wollte er wahren und die Hoffnung auf bessere Tage für den Tourismus nicht aufgeben. Um Kosten zu dämpfen, wurden 20 Mitarbeiter entlassen. Um im Pool der Billiganbieter standzuhalten, wurde die Niedrigpreisreihe DuMont extra auf Höhe des Zeitgeists gebracht und in DuMont direkt umgetauft. Doch das Überlebenstraining der Büchermacher aus Köln scheiterte. 2003 sank der Umsatz um 32 Prozent, und der Branchendritte unter den Reisebuchverlagen trat in Verhandlungen mit Mairs Geographischem Verlag, dem Marktführer aus Ostfildern und Arbeitgeber von 520 Angestellten.

Nun ist der Deal perfekt. Der Verkaufsvertrag sieht vor, dass der DuMont Reiseverlag ab 1. Januar 2005 zum Marktführer Mairs Geographischer Verlag gehört. Unter dem Firmennamen Mair DuMont wird Frank Mair die Geschäfte führen und dem Medienstandort der Region Stuttgart nach der Übernahme des HB Verlages und der Schweizer Traditionsfirma Kümmerly + Frey einen weiteren Impuls geben. Allein die beiden eigenständigen Verlage DuMont Literatur und Kunst - mit einem 15-prozentigen Umsatzrückgang im Jahr 2003 ebenfalls defizitär - und DuMont Kalender residieren weiterhin am Rhein.

So verschwindet die Kölner Unternehmensgruppe M. DuMont Schauberg - zukünftig mit zehn Prozent an der Mair-Gruppe beteiligt - vom Reiseführer-Markt, auf dem sie ihre Kunden seit 1968 zum richtig Reisen anstiftete. Was bleibt, ist die Marke DuMont unter dem Dach des Branchenriesen. Der produziert und vertreibt nun außer Baedeker, Marco Polo, Falk Spirallo, Varta-Führer auch die verschiedenen Reihen von DuMont und baut sie weiter aus. Die Individualreiseführer von Stefan Loose, die DuMont 2002 unter seine Fittiche genommen hatte, werden ebenfalls als eigenständiges Programm weitergeführt.

Einen guten Namen und eine treue Leserschaft bringt DuMont in die Vernunftehe mit ein, außerdem 600 Titel in neun Reihen. Und daran soll sich vorläufig nichts ändern, wie Verlegerin Stephanie Mair-Huydts versichert: Wir wollen das Programm weiterführen. DuMont wird seine eigenständige Redaktion behalten. Wie es allerdings um die Arbeitsplätze der Kölner Redaktion und der Vertriebsangestellten steht - darüber entscheiden erst die Arbeitsgespräche in den nächsten Wochen. Im Übrigen herrscht wenig Berührungsangst: Einen Kannibalisierungseffekt durch die hausinterne Konkurrenz von artverwandten Reihen wie Marco Polo und DuMont fürchtet Stephanie Mair-Huydts nicht. Der DuMont-Leser sei schließlich kein Wechselleser. Auch deshalb soll das traditionelle DuMont-Profil erhalten bleiben.

Mit DuMont wird es nächstes Jahr ein Feuerwerk geben, meint Geschäftsführer Frank Mair. Im Haus werden die aktuellen Herausforderungen als Thema der neuen Generation gesehen. Neben dem Relaunch des alten Baedekers arbeitet das Entwicklungsteam besonders fieberhaft im Digitalbereich.

Navigationsangebote und City-Guides für Handys scheinen alles, was zwischen zwei Buchdeckeln liegt, in die zweite Reihe zu drängen. Strategische Technologie wird das bei Mair genannt.

So viel Aufbruchsgeläut in karger Zeit, so großer Hunger nach Stärkung der Hausmacht! Was steckt dahinter? Dass Mair nun bald Mair DuMont heißt, ist Ausdruck eines erbitterten Verteilungskampfs unter den Reisebuchverlagen.