Sie standen, zu Tode verängstigt, auf den Dächern ihrer Häuser, während ihr Hab und Gut geplündert wurde. Sie sahen die Rauchwolken über französischen Schulen, Restaurants und Geschäften aufsteigen. Sie hörten die Marodeure brüllen: "Tod den Franzosen!" Es war, als würden die schlimmsten Albträume wahr, die Europäer in Afrika seit den Kongo-Wirren in den 1960er Jahren verfolgen. Diesmal spielten sich die Jagdszenen in Abidjan ab, in der Wirtschaftsmetropole der Elfenbeinküste. Frankreich befindet sich im Krieg mit seiner Exkolonie, und der Hass des Mobs entlädt sich zuallererst auf weiße Zivilisten. Parlamentspräsident Mamadou Coulibaly, der ärgste Volksverhetzer, kündigte den "Besatzern" ein "neues Vietnam" an.

Der Bürgerkrieg hat das Land zweigeteilt: Regierungstruppen halten den Süden, Rebellen den Norden. Dazwischen stehen 4000 französische Soldaten und 6000 UN-Blauhelme, um die im Vorjahr vereinbarte Waffenruhe zu sichern. Nun wollen Präsident Laurent Gbagbo und seine Kamarilla offenbar den Krieg für sich entscheiden. Die Großoffensive begann mit einem Luftangriff auf eine französische Stellung, bei dem neun Soldaten getötet wurden. Frankreich schlug sofort zurück und zerstörte die Luftwaffe der Ivorer.

Sogleich echauffierte sich der Fernanalytiker eines konservativen deutschen Blattes. Man stelle sich die Reaktion aus Paris vor, wenn das die Amerikaner getan hätten! Doch abgesehen davon, dass die "Vernichtungsmasse" der ivorischen Luftwaffe – ganze zwei Kampfjets und vier Helikopter – kleiner war als das, was US-Truppen jeden Tag im Irak in die Luft jagen: Die Franzosen haben an der Elfenbeinküste keinen Krieg entfesselt. Sie sind als Friedensmacht gekommen und wurden attackiert. Und sie werden gebraucht, um das einstige Wirtschaftswunderland Afrikas vor der Selbstzerstörung zu bewahren.