Dem Artikel, den ich mit Vergnügen gelesen habe, möchte ich in einem Punkt widersprechen: nämlich da, wo Professor Fuhrmann argumentiert, Englisch als Lingua franca sei für die Naturwissenschaften hinzunehmen, nicht aber für die Geisteswissenschaften. Nicht gegen Englisch, sondern gegen schlechtes Englisch muss man sich wehren - und gegen Monolingualität.

Erstens ist auch in den Naturwissenschaften eine in schlechtem Englisch geschriebene Arbeit unleserlich und die Argumentation, in den Naturwissenschaften käme es nicht auf Sprache an, akzeptiert ein weiteres Kommunikationshandikap kritiklos. Davon gibt es wahrlich schon genug.

Zweitens kann man Englisch wohl kaum mangels Sprachreichtum als dem Lateinischen unterlegen bezeichnen. Da Englisch nun mal de facto unsere Lingua franca geworden ist, was spräche eigentlich dagegen, Wörter aus ihren jeweiligen Muttersprachen zuzulassen, die schwer oder nur mit Bedeutungsverlust übersetzbar sind? Das Begreifen von Wörtern und Wendungen wie Savoirvivre, Kitsch, Spießer, Lingua franca, de facto und Zeitgeist (to name but a few) heißt, anhand von Sprache kulturell erweitert oder (neo-neulateinisch?) plural zu denken. Dies muss nicht unbedingt auf Kosten der Genauigkeit gehen.

KAREN DIEHL, BRÜSSEL