50 Jahre ist es her, da stapelte Erwin Heerich kleine Pappschachteln aufeinander, in jede hatte er penibel eine Tür und ein Fenster geschnitten. Obendrauf pflanzte er ein Fähnchen und nannte das Ganze Burg. Es war ein Künstlerkinderspiel, doch eines, in dem schon das Abgezirkelte und Strenge aufschien, das Heerichs spätere Bildhauerfiguren, seine Kreise, Kegel, Pyramiden und Würfel bestimmen sollte. Mit ihnen betrieb er eine Art Selbstauslöschung, denn nichts sollte von seiner Person zeugen, alles einer höheren, geometrischen Ordnung genügen. In gewisser Weise war Heerich der Antipode von Joseph Beuys, den er aus dem Studium bei Ewald Mataré in Düsseldorf kannte und mit dem er sogar eine Zeit lang das Atelier teilte.

Heerich war der Planer und Kontrolleur der Formen, Beuys der überschwängliche Agitator und Monomane. Und doch verband beide ein tiefer Glaube an die Kunst.

Beide hofften darauf, dass ihre Werke so lapidar und unmissverständlich ausfallen würden, dass sie wie von selbst ihren Platz im Alltäglichen einnähmen. Beide hatten einen Sinn für das Mystische, der eine suchte es in seinen Skulpturen, der andere in abgründiger Selbstinszenierung. Und beide hatten großen Erfolg: Heerich wurde zur Documenta geladen, bekam viele öffentliche Aufträge und fand schließlich auf der Museumsinsel Hombroich den idealen Ort für seine Idealskulpturen. Sie erzählen von seiner Sehnsucht nach neuer Verbindlichkeit in der Kunst. Am Montag ist Heerich gestorben, 81 Jahre alt.