Um Farben wird vor Gericht gerne gestritten. Die Farbe prägt das Image eines Produkts oder eines Unternehmens, sorgt für Wiedererkennbarkeit und spielt im Konkurrenzkampf eine entscheidende Rolle. Seit 1995 kann eine Firma ihre Hausfarbe beim Patentamt als konturlose Farbmarke eintragen und vor der Verwendung durch andere schützen lassen. Das geht nur unter bestimmten Voraussetzungen, in der Regel, wenn ein Produkt, ein Unternehmen ohnehin für eine Farbe steht oder wenn es eine sehr unübliche Farbe ist - Punkte, um die Anwälte, Richter und das Patentamt manchmal trefflich streiten. Und, natürlich, einen solchen Exklusivschutz für einen Farbton bekommt ein Unternehmen immer nur für einen ganz bestimmten, genau definierten Bereich von Waren und Dienstleistungen.

DAS KRAFT-FOODS-VIOLETT

Als der Schweizer Schokoladenfabrikant Philippe Suchard im Jahr 1901 Schokolade erstmals in lila Papier verpackte, merkten kritische Zeitgenossen an, der Fabrikant sei ein Meister der Reclame. Sie sollten Recht behalten.

94 Jahre später befand eine Studie des Psychotechnischen Instituts in Wien, die farbprägnanteste Marke in Österreich sei Milka, und jeder lila Farbtupfer sei in der Lage, Assoziationen an Schokolade hervorzurufen. Im selben Jahr, 1995, erzählte man sich in Bayern, dass schon jedes dritte Kindergartenkind beim Ausmalen einer Kuh zum lila Stift greife. Nicht aus Unwissenheit, sondern weil die Kleinen die gleichfarbige Werbefigur so mochten, fand eine Untersuchung der Deutschen Forschungsgemeinschaft schnell heraus. Wie auch immer: Selten zeigt sich der Erfolg, den ein Produkt in Kombination mit einer Farbe haben kann, so wie bei Milka und der Farbe Lila.

Seit Beginn der siebziger Jahre kam noch die lilafarbene Kuh dazu. Kühe hatten in Anzeigen und Plakaten für Milka schon Anfang des vorigen Jahrhunderts von Berggipfeln auf Almwiesen herabgeschaut oder waren gemütlich neben milcheimertragenden Bäuerinnen hergetrottet. Doch dann verfielen Kreative der Werbeagentur Young & Rubicam auf die Idee, eine Kuh mit abbürstbarer Farbe zum lebenden Träger der lila Hausfarbe zu machen. Heute werden jedes Jahr allein in Deutschland 400 Millionen Tafeln der Schokolade vernascht. Die Farbmarke Lila für Schokoladenprodukte im weitesten Sinne war auch die erste, die 1995 europaweit geschützt wurde. Anfang Oktober erst untersagte der Bundesgerichtshof der Verdener Keks- und Waffelfabrik, eine Gebäckmischung mit feinen Waffeln anzubieten, in einer lila eingefärbten Tüte: Die Farbe Lila, so die Richter, sei zum Inbegriff von Milka-Schokoladenerzeugnissen geworden.

DAS MATSUSHITA-ELECTRIC-WORKS-ROT

Den Blutdruck maß man in den frühen neunziger Jahren meist immer noch beim Arzt oder in der Apotheke, und wenn zu Hause, dann mit einer Manschette um den Oberarm. 1993 wollte der japanische Matsushita-Konzern, zu dem etwa auch die Marke Panasonic gehört, etwas Neues auf den deutschen Markt bringen: ein Messgerät fürs Handgelenk. Geschäftsführer Wolfgang Butz wollte, dass man dieses Neue schon an der Verpackung erkannte und kam auf eine Idee: Warum sollte man die Nais-Blutdruckmessgeräte nicht in einer roten Verpackung verkaufen - rot wie das Blut, rot wie das Apotheken-A? Der Mutterkonzern war skeptisch, die Apotheker waren es auch: Üblicherweise verkaufte man medizinisches Gerät in klinisch weißen Packungen. Aber schließlich setzte sich Butz durch. Und so war alles, was mit dem Handgelenksmessgerät zu tun hatte, rot: die Verpackung, der Streifen an der Messmanschette, die Schaufensterwerbung. In ein, zwei Jahren verdoppelte sich in Deutschland die Nachfrage nach Geräten zum Blutdruckmessen. Noch heute sind die Nais-Geräte Marktführer bei den Apparaten fürs Handgelenk. Mittlerweile sind die roten Verpackungen so zum Synonym für Handgelenkmessgeräte geworden, dass selbst in Fernost die Kartonagen für die Apparate rot sind. Und rot bleiben werden, obwohl sich nun der Markenname ändert, weil Matsushita künftig alle Konzernprodukte unter dem Namen Panasonic verkauft.