DAS

DEUTSCHE-POST-GELB

Das Gelb der Post stammt nicht von Marketingstrategen, und über seinen wahren Ursprung streiten Posthistoriker noch heute: Lässt sie sich auf die gelbe Pestfahne zurückführen, die vor Jahrhunderten als Abstandhalter auf Pferdewagen wehte? Oder auf das gelbliche Korbgeflecht alter Postwagen? Oder auf die Farben des Fürstentums Oranien (die allerdings doch eher Orange waren)? Vielleicht stammt das mysteriöse Gelb aber auch einfach von den kaiserlichen Farben Gelb und Schwarz ab, welche die Fürsten von Taxis verwendeten, als sie 1490 begannen, für den deutschen Kaiser ein organisiertes Postwesen aufzubauen. Was nicht bedeutet, dass es von da an in Deutschland immer eine einheitliche Postfarbe gegeben hätte. Im 19.

Jahrhundert trugen die Postillione, Pferdewagen und Briefkästen in den vielen deutschen Fürstentümern und Königreichen meist die bunten Farben des jeweiligen Landesherrn. Erst 1871, nach Gründung des Deutschen Reiches, strich man überall Fahrzeuge, später auch die ersten Fernsprechzellen gelb - nur die Briefkästen waren weiterhin blau, auch eine Sparmaßnahme: Die um die Jahrhundertwende für den Anstrich der Postwagen verwendete gelbe Bleifarbe begann schon nach wenigen Monaten so stark ins unangenehm Braune nachzudunkeln, dass die gesamte Postflotte im Schnitt einmal jährlich neu gestrichen werden musste. 1934 änderten die Nationalsozialisten die Postfarbe in Rot , ein Rot, das man nach 1945 nicht behalten wollte: Der Verwaltungsausschuss für das Post- und Fernmeldewesen wählte wieder Gelb, das man auch nach der Postreform und der Aufteilung in Postbank, Telekom und Deutsche Post für Brief-, Fracht- und Kurie rdienste behalten hat. Und weil Gelb eine Farbe ist, die in Kombination mit Schwarz oder Rot, auf Stoffen, Acrylglas, Papier oder Blech, bei Tages- und bei Kunstlicht höchst unterschiedlich wirken kann, überlässt man heute lieber nichts mehr dem Zufall: Eine eigene Abteilung, die Corporate Colours Hotline, wacht mit einem Archiv von Farbproben auf unterschiedlichsten Untergründen, mit Farbrezepturen und Formelberichten penibel darüber, dass bei allen Postmitarbeitern und Kooperationspartnern, auf allen B riefbögen und Fahrzeugen deutschland- und weltweit immer nur das eine richtige Gelb verwendet wird.

DAS BP-GRÜN-GELB

DAS ARAL-BLAU-WEISS

Das eine Benzin vom anderen Benzin zu unterscheiden ist für den Durchschnittsautofahrer unmöglich. Deswegen läuft der Konkurrenzkampf an den Tankstellen schon sehr lange über Imagebildung und Farbe. Der BP-Konzern, damals noch unter der Firmierung Olex Deutsche Benzin- und Petroleum-Gesellschaft mbH, trug anfangs die Erkennungsfarben Blau und Gelb, und es wird erzählt, dass die Entscheidung für die Farbkombination Grün-Gelb als corporate colours bei einem Lunch in Paris im Jahr 1923 gefallen ist: Zwei Senior Executives speisten im Bois de Bologne, wo gelbe Narzissen im Überfluss blühten, und der Effekt dieses Gelbs vor dem Grün des Parks war offenbar so attraktiv, dass man sich für diese Fa rben entschloss. Noch heute achtet man streng darauf, dass diese Farbkombination nur von BP verwendet wird - wird eine Tankstelle aufgegeben, demontiert ein Abbaukommando als Erstes die BP-Farben. Dennoch gibt es immer wieder freie Anbieter, die es mit der grüngelben Farbkombination versuchen - unlängst, erinnert sich eine BP-Juristin, argumentierte einer, seine Frau stamme aus Brasilien und wolle an der eigenen Tankstelle doch nur die heimischen Farben tragen: vergeblich.