Die Steuern brachen weg, die Stromnetze zusammen. Der fünftgrößten Wirtschaftsmacht der Welt Kalifornien ging finanziell die Puste aus. Da wählte das Volk Muskelmann Arnold Schwarzenegger zum Boss, und der sucht nun nach neuen Einnahmequellen. Seine Berater flüsterten ihm ins Ohr, dass Elektronik und Gen-Tech out seien und stem cells in. Da unterbreitete der Steirer seinem Volk den Vorschlag, der Stammzellforschung drei Milliarden Dollar zukommen zu lassen. 59 Prozent der Kalifornier fanden die Idee super, und so wird der Bundesstaat in Zukunft zu den Oasen der Biowissenschaft gehören - wenn George W. Bush nicht noch dazwischenfunkt.

Ähnlich macht es auch Singapur. Das Elektronikgeschäft lief nicht mehr, die Petrochemie hatte ihren Charme verloren, und jetzt sollen Bio-Tech und Stammzellen das Geld einfahren. Also lockt der Stadtstaat mit Milliarden Dollar die Forscher aus aller Welt in die Tropen. Aber wird diese Forschung tatsächlich Produkte abwerfen, mit denen sich Profit erwirtschaften lässt?

Noch gibt es keine Anzeichen, dass sich die Zellen für den Massenmarkt dressieren lassen. Entgegen der allgemeinen Annahme, dass die Therapie vor allem mit embryonalen Stammzellen schon morgen Realität wird, sind die Labors noch weit davon entfernt. Jede Stammzelllinie verhält sich anders, klagt eine Forscherin in Singapur, und jede will anders behandelt werden. Auch in Japan diskutieren die Experten ihre Schwierigkeiten. Was zeichnet überhaupt eine Stammzelle aus? Wie findet man sie? Sind Stammzellen selbst für Therapien geeignet, oder lösen sie indirekt Prozesse aus, die heilen? Wer solche Fragen klären will, braucht einen langen Atem. Das ist nichts fürs schnelle Geld. Nach der Bio-Tech- und der Internet-Blase könnte dann bald die neue Stammzellblase platzen.

Der Niedergang dieser Forschung aber hätte fatale Konsequenzen. Denn unabhängig vom Big Business lohnt die Stammzellforschung. Es besteht zu Recht die Hoffnung auf Therapien, die vor allem chronische Leiden langfristig kurieren. Dann aber würden die Patienten weniger Tabletten schlucken.

Profitieren würden nicht mehr die Pharmahersteller, sondern die Patienten und Krankenkassen.

Die deutsche Stammzellforschung braucht keine Milliarden, sondern langfristige Perspektiven. Wissenschaftler wären in Deutschland schon froh, wenn sie nur die Möglichkeiten der Stammzelle gründlich ausloten dürften. Im Moment aber beschränkt der Staat ihre Forschung auf teilweise unbrauchbare Zelllinien.

Das ist der eigentliche Vorteil von Singapur, Japan und Kalifornien: Die Regierungen dort und die Bevölkerung stärken ihren Forschern den Rücken, bieten Optionen. Eine Volksabstimmung in Deutschland käme vielleicht zu ähnlichen Resultaten wie in Kalifornien. Man muss ja nicht gleich mit Milliarden um sich werfen.