Natürlich hat der Präsident des Deutschen Kinderhilfswerks Recht: Deutschland ist ein kinderfeindliches Land. Wer das nicht glaubt, der suche in einer beliebigen Großstadt nach Gegenden, in denen kleine Kinder ohne Aufpasser im Freien spielen können. Der erkläre berufstätigen Eltern aus Skandinavien oder Frankreich, warum es hierzulande so schwierig ist und so teuer, Vorschulkinder tagsüber betreuen zu lassen. Der versuche zu verstehen, warum Eltern in Deutschland grundsätzlich durch alle Instanzen bis hoch vors Bundesverfassungsgericht ziehen müssen, um zu erreichen, was offensichtlich recht und billig ist: dass der Staat bei der Besteuerung von Einkommen wenigstens ansatzweise berücksichtigt, dass Kinder Kosten verursachen.

Dem Kinderhilfswerk aber geht es um etwas anderes, um die Sozialhilfe nämlich, und da hat es Unrecht. Deutschland sei kinderfeindlich, argumentiert die Hilfsorganisation, weil unter den Hilfsempfängern Kinder überproportional vertreten seien. Das Gegenteil ist richtig. Sozialhilfe ist eine Leistung, mit der Steuerzahler Armut verhindern, so gut sich die durch den Transfer von Geld verhindern lässt. Ein solcher Transfer sollte insbesondere Menschen zugute kommen, die sich nicht selbst helfen können. Wer kann sich selbst am wenigsten helfen? – Kinder! Wären die Empfänger staatlicher Hilfe nicht zum großen Teil Kinder, dann würde das Land etwas falsch machen. Aber wenigstens diesen Vorwurf muss es sich nicht gefallen lassen.