Bayerns Wissenschaftsminister Thomas Goppel (CSU) wirft ein neues Modell in die Diskussion um die Studiengebühren. Es soll eine Antwort auf die entscheidende Frage in der Debatte um ein Bezahlstudium geben: Wie hältst Du’s mit der Sozialverträglichkeit? In einem internen Diskussionspapier skizziert Goppel ein Modell des "Bildungssparens". Eltern können nach der Geburt eines Kindes freiwillig jeden Monat Geld zurücklegen – egal, ob das Kind später studiert oder eine Lehre macht. Die passenden Sparverträge wickeln Banken und Versicherungen ab, der Staat sponsert das Bildungssparen aber und legt 10 bis 15 Prozent auf die Sparsumme drauf – die Bildung des Kindes wird somit langfristig mit kleineren Beträgen abgesichert. "Die Gegenfinanzierung ist in Zeiten knapper Kassen ein schwieriges Unterfangen", sagt Goppel, "trotz alledem lohnt sich ein ernsthaftes Nachdenken." In dem Papier heißt es, das Bildungssparen solle "mindestens ebenso stark gefördert werden" wie das Bausparen.

Derzeit feilen die ersten Banken an passgenauen Produkten. Doch erst die von Goppel vorgeschlagene Staatsprämie könnte dem Bildungssparen zum Durchbruch verhelfen. Bislang bevorzugen die meisten Bildungspolitiker nachgelagerte Studiengebühren nach australischem Vorbild. Motto: Erst lernen, dann zahlen. Erst nach dem Studium geben die Absolventen je nach Einkommen die Gebühren zurück. Goppels Bildungssparen wäre da etwa eine reizvolle Variante "vorgelagerter Studiengebühren".

Mit 1200 Euro Studiengebühren pro Jahr kalkuliert etwa das bayerische Staatsinstitut für Hochschulforschung in einem Beispiel für einen Sparplan: Eine Studentin zieht nach München und will dort Betriebswirtschaft studieren. Sie zahlt in München eine hohe Miete, dafür hat sie nur wenige Ausgaben für Bücher und Uni-Materialien. Sie studiert zehn Semester lang. Das ganze Studium kostet insgesamt 50000 Euro. Um das gegenzufinanzieren, müssten von der Geburt des Kindes an bis zum Abitur nach zwölf Schuljahren Monat für Monat 129 Euro eingezahlt werden, die staatliche Prämie von 10 bis 15 Prozent schon inklusive. Manuel J. Hartung