Nur wenigen Polit-Thrillern kann man rückblickend eine gewisse Zeitlosigkeit attestieren. Doch kaum einer erscheint heute antiquierter als John Frankenheimers 1963 entstandener Paranoia-Schinken Botschafter der Angst. Die Idee, dass sich ein kommunistischer Schläfer des Amtes des Präsidenten bemächtigen und Amerika ins Verderben steuern könnte, wirkt nur noch albern.

Jonathan Demmes Remake Der Manchurian Kandidat läuft allerdings kaum Gefahr, als überdrehte Polit-Groteske in die Filmgeschichte einzugehen. Eher schon versucht sein paranoides Schreckensszenario Einblick in die Befindlichkeiten des liberalen Amerikas zu geben. In Der Manchurian Kandidat hat ein international operierendes Wirtschaftskonglomerat die Russen als Feindbild ersetzt. Mit einem implantierten Chip wird der Kandidat mit Erinnerungen an nicht begangene Heldentaten im ersten Golfkrieg versorgt. Auch ehemaligen Kameraden verpasst man eine elektronische Gehirnwäsche. Schon wabern die Bush-Beteiligungen am Rüstungsunternehmen Carlyle-Group durchs Bild, entwickelt die Metapher des ferngesteuerten Schläfers schillernde neue Konnotationen für die Interessenverwicklungen von Politik und militärischindustriellem Komplex. Das ist der Stoff, aus dem große Verschwörungstheorien gebastelt werden! Frankenheimers stockreaktionäres Original in einen Anti-Bush-Verschwörungsthriller zu verwandeln hätte zweifellos Hollywoods subversiver Beitrag zum amerikanischen Wahlkampf werden können. Doch Demme verzichtet auf eindeutige politische Zuschreibungen. In Der Manchurian Kandidat schlägt das Herz der amerikanischen Nation vielmehr in einer wahrhaft wölfischen Mutterbrust. Meryl Streep spielt die eiskalte Polit-Karrieristin mit einem inzestuösen Hang zur Macht. Weil ihr Versager von Mann es nie zum amerikanischen Präsidenten gebracht hat, muss nun der Sohn den Platz des Vaters einnehmen. Vorboten einer antifeministischen Hillary-Hysterie? Die religiöse Rechte hätte an diesem ödipalen Führungsmodell sicher ihre helle Freude.