Was hat den Fliegenden Holländer ins Unglück und in die Ewigkeit getrieben? Seine Beharrlichkeit. Senta singt bei Richard Wagner im zweiten Akt: Bei bösem Wind und Sturmes Wut / umsegeln wollt' er einst ein Kap - / er flucht' und schwur mit tollem Mut: / In Ewigkeit laß' ich nicht ab! / Hui! -

Und Satan hört' - Johohe! / Hui! - nahm ihm bei'm Wort! - Johohe! / Hui! -

und verdammt zieht er nun / durch das Meer ohne Rast, ohne Ruh'!

Nun hat das Theater mit der Seefahrt einiges gemeinsam: Es ist eine hermetische Welt, in der das Abenteuer, der Aberglaube und der Alkohol regieren und in der jene Kapitäne als die größten gelten, die beim Satan geschworen haben, niemals von ihrem künstlerischen Kurs abzulassen. So segelt auch der Schweizer Regisseur Christoph Marthaler mit tollem Mut stets dasselbe Kap an und zerschellt umjubelt, aber unbeschadet. Gepriesen zieht er durch die Welt ohne Rast, ohne Ruh'.

Alle Reisen Marthalers sind von denselben Handlungen geprägt. Vom Warten, Musizieren, Turnen, Stolpern, Gähnen, Schlafen, Ausrutschen, Versäumen. In Ewigkeit wird er nicht ablassen, das Sein als ein Dämmern zu zeigen. Sein Theater ist strikt antidramatisch: Es mäandert, anstatt zu münden. Es versickert, anstatt sich zu steigern. Es läuft auf kein Finale zu und gönnt uns keine Katharsis - es lebt von dem Glauben, derlei schon längst hinter sich zu haben.

Vier Jahre lang hat Marthaler sein dramatisches Jenseits in Zürich betrieben, wo er mit Stefanie Carp und Anna Viebrock das Schauspielhaus leitete. Nach zwei Jahren hatte man versucht, ihn hinauszuwerfen (unrentables Theater, sagte der Verwaltungsrat. Schmuddeltheater, sagten die Rechtspopulisten.

Langweiliges Theater!, rief die Weltwoche), und im vergangenen Sommer ging er dann selbst - wohl auch deshalb, weil er der geborene Theaterleiter tatsächlich nicht ist.