DIE ZEIT: Angenommen, die heute 48-jährige Inga Humpe wäre der 15-jährigen Inga Humpe begegnet: Wie hätten sich die beiden verstanden?

Inga Humpe: Sehr gut. Ich wäre für mich als 15-Jährige genau die richtige Gesprächspartnerin gewesen. Ich muss auch sagen, dass diese 15-Jährige in mir gerade stark auflebt. Ich stecke ja ständig in so Selbstversuchen, in emotionalen, sozialen und musikalischen. In einem Teil dieser Versuche entdecke ich gerade eine immer wiederkehrende pubertäre Phase, die natürlich mittlerweile besser auszuhalten ist als mit 16 oder 13. Beim ersten Mal Pubertieren ist es besonders schlimm. Mittlerweile ist es schon das 20. Mal, und ich muss sagen: Es geht immer besser.

ZEIT: Was heißt Pubertät für Sie? Die Frage: Wer bin ich?

Humpe: Auch immer wieder, aber nicht so schlimm. Eher: Was ist die Welt? Wie finde ich mich da drin? Ich versuche, meinen eigenen Theorien gerecht zu werden und diese zu leben. Ich versuche, emotional zu leben. Ich suche die Offenheit, die ich mir selber wünsche, und die Unabhängigkeit.

ZEIT: Wenn man jünger ist…

Humpe: …ist man viel ängstlicher und dogmatischer. Dies ist eine große Last, weil man diesen Dogmen erst einmal wieder entkommen muss.

ZEIT: Wie war denn die 15-jährige Inga Humpe?