In unsicherem Gelände kann wohl nur die Kunst verlässliche Fundamente setzen. So erklärt sich, dass die Goethe-Institute in Tel Aviv, Jerusalem und Ramallah ihre jährliche gemeinsame interdisziplinäre Konferenz Goethe-Plattform nennen. In diesem Jahr lautet ihr Thema Kunst und Krieg, und ihr Kurator ist der Medientheoretiker Boris Groys. Seine These: Die moderne Kunst begleitet, illustriert, besingt oder kritisiert den Krieg nicht nur, wie sie es schon früher getan hat, sondern sie führt selbst Krieg.

Wuchtige Kämpfer des deutschen Kulturlebens reisen an, um Groys nach Kräften zu bestätigen. In Tel Aviv (28. und 29. November), Jerusalem (30. November und 1. Dezember) und Ramallah (2. und 3. Dezember) werden Romuald Karmakar, Bazon Brock, Peter Weibel und Carl Hegemann mit ortsansässigen Opfern des Krieges über die Medien des Krieges und die Repräsentation des Krieges in der Kunst diskutieren. Die moderne Kunst führe selbst Krieg, sagt Groys.

Bewiesen werden dürfte das schon am 21. und 22. November. Da gastiert im Cameri Theater Tel Aviv die Berliner Volksbühne. Sie zeigt Forever Young nach Tennessee Williams, Regie: Frank Castorf. - Nachtrag aus Deutschland: Eigentlich hätte in Israel und Palästina auch der Regisseur Christoph Schlingensief dabei sein sollen, der aber absagen musste - er ist zu Hause an einer anderen Front im Einsatz, nämlich jener, die zwischen der Gegenwart und der übrigen Zeit verläuft und die ansonsten von Guido Knopp bewacht wird.

Schlingensief wird sich in Berlin der grassierenden Vermarktung Adolf Hitlers widmen. An Castorfs Volksbühne wird er seine neue Produktion Kunst und Gemüse, A. Hipler (17. November) herausbringen. Außerdem wird er in der Show Goodbye, Adolf Hitler! (20. November) dabei sein, welche das Genre des Führerbunkerrührstücks seiner Vollendung zuführen will. Dieser Abend steht unter dem wegweisenden Motto Friedrich Schillers: Überhaupt glaube ich, dass man wohl tun würde, immer nur die Zeit und die Personen aus der Geschichte zu nehmen und alles übrige zu erfinden, wodurch eine Gattung entstünde, welche Vorteile des historischen Dramas mit dem erdichteten vereinte.