Alles ist vorbei. Der Mann ist tot. Damit geht es los. Doch handelt es sich nicht um einen Kriminalfall noch um ein Psychodrama, sondern nur um einen Versicherungsfall. Ein kleines Rätsel, das große Fragen aufwirft.

Die Anlage des Romans wirkt, auf den ersten Blick, eher simpel, erweist sich aber, in der Folge, als ziemlich vertrackt. Zu lesen ist das Buch ganz leicht, nur schwer zu beschreiben.

Alles ist Innen-Raum. Die Innenwelt der Außenwelt der Innenwelt wird aber nicht als Sprachspiel entfaltet, sondern als eine existenzielle Reduktion vorgeführt. Der Grund lässt sich, in der ganzen Radikalität dieses Entwurfs, erst am Ende erkennen. Auf diese Weise baut die Autorin, dramaturgisch geschickt, Spannung auf. Die Vorgeschichte wird nämlich erst nachgeliefert.

"Wie das wohl ist für einen, der den letzten Augenblick gesetzt hat, wie man einen Punkt setzt, nach dem beendeten Satz. Wie das wohl ist, wenn einer geht."

Das ist die Ausgangslage. Das ist die Ausgangsfrage eines gewissen Noll, der eigentlich Arnold Schrader heißt. Der Mann ist 58 Jahre alt, lebt schon seit längerem allein und hat eine langwierige Krebstherapie, offenbar erfolglos, absolviert. Seine Situation scheint aussichtslos. Deshalb beschließt er, solange er noch dazu fähig ist, "diesen Punkt" selbst zu setzen. Nur was dieser "Punkt" eigentlich bedeuten soll, anfangs völlig unklar, wird erst im Fortgang allmählich deutlicher.

"Dann, wenn es so weit ist, denkt Noll jetzt, und er sitzt an dem Tisch in der Küche, dann, das umfasst vieles mehr als nur diesen einen selbst gewählten Augenblick, morgen sechzehn Uhr, den man gesetzt hat, wie man einen Punkt setzt, nach dem beendeten Satz."

Das alles klingt sehr nüchtern. Tatsächlich wird fast spröde erzählt, ja eher, scheint es, eine (blutleere) Gedankenwelt abgebildet. Es wirkt wie ein Experiment. Diese Anlage erweist sich als Trick.

Noll ist das zweite Buch der Autorin. Nina Jäckle wurde 1966 in Schwenningen am Neckar geboren und lebt jetzt in Berlin. Vor zwei Jahren veröffentlichte sie den schmalen Erzählungsband Es gibt solche, der mit viel Lob bedacht wurde. Auch in diesen Erzählungen nutzte sie ein vergleichbares Verfahren: verzichtete auf die sinnliche Präsenz der Außenwelt zugunsten einer schärferen Konturierung der Innenwelt. Diese Verfahrensweise wird jetzt in Noll noch weiter vorangetrieben. Weil es um einen Toten geht? Weil es um den Tod geht?