Obwohl Ihnen als Japaner Latein ja völlig fremd sein muss.

Was die Beziehungen zwischen den Sprachen angeht, natürlich. Aber vom Wesen her gibt es viel Gemeinsames. Latein verkörpert die Tradition dieses Kontinents. Und da wir Japaner nach wie vor ein recht wachsames Gespür für Tradition haben, ist Latein eine Brücke zwischen Japan und Europa. Manches findet auch in der Weltanschauung des japanischen Shintoismus seine Entsprechung. Außerdem: Ich habe eine Zeit lang an der Hochschule Stuttgart Japanisch unterrichtet - in den Kursen konnten sich die Studenten mit gewissen Lateinkenntnissen besser in das den Europäern fremd anmutende japanische Denken hineinversetzen.

Wie sind Sie mit Latein in Kontakt gekommen?

Meine Mutter hat als Chorleiterin sehr viele traditionelle Texte aus dem Abendland an der Universität von Kobe einstudiert - in meiner Umgebung erklang also von jeher recht viel Latein, sodass mich schon als Kind der wunderbare Klang dieser Sprache fasziniert hat: sehr vokalreich, sehr cantabile, intellektuelle Eleganz ausstrahlend. Ich lege übrigens bei meinen Führungen großen Wert auf eine entsprechende Modulation. Mein Vater ist Professor für Theoretische Physik und hat auch am Kernforschungszentrum Jülich gearbeitet.

So bin ich für eine kurze Zeit auf ein deutsches Gymnasium gekommen, ein altsprachliches.

Keine Probleme mit Latein?

Nein, ich fand es leichter als Englisch. Latein ist hervorragend geeignet, Multikulti-Fähigkeiten zu entwickeln. Wir wollen heute doch alles so schnell wie möglich machen, und Latein ermöglicht den kürzesten Weg zur - vielleicht wieder notwendig gewordenen - Bildung des Abendlandes.