1 Die Vorlieben des Präsidenten

Rätselhafter denn je erscheinen die USA den Europäern seit der Wiederwahl George W. Bushs. Auf der Suche nach Gemeinsamkeiten mit der fremden Führungsmacht boten sich bislang immer noch jede Menge Anknüpfungspunkte in jener amerikanischen Popkultur zwischen Jazz, Rock ’n’ Roll und Hollywood, wie wir sie in Europa kennen und schätzen. Doch genau mit dieser Popkultur kann US-Präsident George W. Bush nichts anfangen – Populismus und Pop sind eben nicht dasselbe.

" I’m not into pop music " , antwortete Bush vor vier Jahren auf die Frage, was ihm zu Madonna einfiele. Im Juni dieses Jahres distanzierte er sich in einer Rede in Istanbul ganz ausdrücklich vom dekadenten Westen: "Wenn ich von den Segnungen der Freiheit spreche", sagte er in einer Rede an der Galatasaray-Universität, "dann meine ich damit nicht anstößige Videos und krassen Kommerz."

Was meint er dann? Mit Aussagen zu seinen eigenen kulturellen Vorlieben hält George Bush sich sehr zurück. Als sein Lieblingsfilm gilt Field of Dreams, ein Baseball-Epos mit spiritistischen Elementen und mit Kevin Costner in der Hauptrolle. Auf die Frage nach seiner liebsten "kulturellen Erfahrung" antwortete er im Jahr 2000: "Baseball". Seine Sammelleidenschaft: signierte Baseball-Bälle. Sein Lieblingsphilosoph: "Jesus". Sein Lieblingssong ist der Teenieschlager Wake up, little Suzie von den Everly Brothers.

Bushs kulturelle Kargheit hat seine ganze Umgebung erfasst. Seit Bush regiert, so klagen erfahrene Teilnehmer des gesellschaftlichen Lebens in Washington, geht man in der Hauptstadt früh schlafen und steht früh wieder auf. Empfänge, Partys, Gala-Dinner – die gab es früher mal.

Für die Suche nach Gemeinsamkeiten ist das alles nicht sehr ergiebig. Vielleicht kommen wir ja bei seiner Klientel weiter: Da nun vier weitere Jahre unter der Führung George W. Bushs beschlossene Sache sind, scheint es angezeigt, sich einige kulturelle Favoriten der 59 Millionen Bush-Wähler näher anzusehen. Denn nicht nur Wahlkampfstrategen wie Karl Rove oder der Medienmogul Rupert Murdoch haben in den letzten vier Jahren Bush unbesiegbar gemacht. Auch die Hervorbringungen einer ganz bestimmten Popkultur haben auf unmessbare, aber unübersehbare Weise dazu beigetragen. Die folgenden Beispiele sind nicht repräsentativ, sie springen nur besonders ins Auge. Wer an ihnen Gefallen findet, wird nicht automatisch zum Bush-Anhänger – aber die Wahrscheinlichkeit steigt.

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