Herr Roß hat Recht. Die EU ist keine Gesinnungsgemeinschaft. Sie ist - neben der viel zitierten Wertegemeinschaft - vor allem eine Rechtsgemeinschaft. Leider scheint dem Autor Folgendes entgangen zu sein: Gemäß Artikel 13 Absatz 1 des EG-Vertrages ist es Aufgabe der Kommission, Diskriminierung aufgrund des Geschlechts und sexueller Ausrichtung zu bekämpfen.

Man kann seine Zweifel haben, ob Herr Buttiglione geeignet gewesen wäre, diesem Auftrag nachzukommen. Seine Äußerungen als private Gesinnung abzutun ist vielleicht möglich, wenn der Kandidat die Grenzziehung zwischen Moral und Recht (Roß) tatsächlich bewerkstelligt. Aber er hat vor dem Ausschuss für bürgerliche Freiheiten des Europaparlaments geäußert, dass er sich von seinen homophoben moralischen Grundsätzen auch bei seinen politischen Entscheidungen leiten lassen wolle. I am ready to seek dialogue, which is normal in a democracy, but if there is a proposal that is contrary to my moral principles, I would oppose it.

So hat es denn für das Parlament kaum eine andere Möglichkeit gegeben, als Herrn Buttiglione und damit die gesamte Kommission abzulehnen.

BJÖRN SENDEL, BUDAPEST

Der Analyse von Herrn Roß kann ich nur zustimmen. Einige oberflächlich denkende Europapolitiker sollten den Artikel lesen und nachdenklich werden.

Es fehlt ihnen eben die Fähigkeit zu differenzieren, und Toleranz wird nur vorgetäuscht. Diese Gesinnung endet in der Maßregelung und Bestrafung Andersdenkender und damit in der Verletzung von Persönlichkeitsrechten.

THEODOR MEINE, ESSEN