In der Familie von Ana Patricia Botín haben viele vieles erreicht im Leben. Ihr Schwager ist Severiano Ballesteros, lange Zeit einer der populärsten Profi-Golfspieler der Welt. Ihre Mutter Paloma O’Shea ist erfolgreiche Pianistin. Ihr Vater Emilio Botín führt die Santander Central Hispano, das größte Kreditinstitut in Spanien. Und auch Ana Patricia Botín selbst hat bereits eine ziemlich steile Karriere hinter sich. Präsidentin der viertgrößten Bank des Landes ist sie: der Banesto.

Sie müsste sich nicht täglich mit Zinsen, Kommissionen und den Sorgen ihrer 10000 Angestellten herumplagen. Sie könnte ihren Erfolg genießen. Aber so ist das Leben nicht, wenn man aus einer ebenso reichen wie einflussreichen Familie stammt – und obendrein vom Ehrgeiz getrieben ist, immer weiter voranzukommen im Geldgeschäft.

Seit Generationen prägen die Botíns die spanische Bankenlandschaft wie kein anderer Clan. Ihr Einfluss konzentriert sich auf die Santander Central Hispano, die Mitte des 19. Jahrhunderts von einer Hand voll Geschäftsleuten gegründet, aber 1910 erstmals von einem Botín übernommen wurde. Seitdem ist die Bank fast so etwas wie ein Familienbetrieb. Mit einem Anteil von fünf Prozent sind die Botíns der größte Einzelaktionär.

Für die Familie des aktuellen Santander-Chefs Emilio Botín gilt die Devise: "Die Bank ist alles." Keines seiner Kinder nimmt diesen Auftrag so ernst wie Tochter Ana Patricia. Dass die von ihr geleitete Banesto-Bank eine Tochter der Santander-Gruppe ist, macht sie noch ehrgeiziger. Sie muss sich vor ihrer Familie beweisen, immerhin sitzen vier aus dem Clan im Verwaltungsrat. Gut sein ist insofern familiäre Ehrensache und ständiger Antrieb.

Ana Patricia Botín gibt nur selten Interviews, doch wenn sie an die Öffentlichkeit geht, tut sie es nur, um unmissverständlich klarzumachen, wie ernst sie ihre Arbeit nimmt. Um zu sagen, dass diese nicht nur Beruf sei, sondern Berufung. "Es ärgert mich, wenn jemand glaubt, ich sei für meinen Job nicht qualifiziert", sagt sie. Ana Patricia Botín ist verheiratet mit Guillermo Morenés, einem italienischen Adelsspross und gelerntem Agraringenieur; sie haben drei Kinder. Das Familienleben scheint die Karrierefrau im Vergleich zu ihren beruflichen Aufgaben eher ein wenig zu langweilen, auch wenn sie das natürlich etwas eleganter formuliert. "Gott sei Dank können wir uns in Spanien immer auf unsere Eltern als Babysitter verlassen", meint sie. Wenn eine Mutter in Spanien beruflich weiterkommen wolle, dann brauche sie – anders als zum Beispiel in den Vereinigten Staaten oder in Deutschland – kein schlechtes Gewissen zu haben. Im Gegenteil. In Spanien sei es gesellschaftlich hoch angesehen, wenn Frauen arbeiten würden, egal, ob sie Kinder haben oder nicht.

Respektiert wird Ana Patricia Botín wie kaum eine andere spanische Geschäftsfrau. "Sie ist sehr attraktiv", sagt der Chef der spanischen Sparkassenvereinigung Ceca, Juan Ramón Quintás, "aber wenn man mit ihr redet, vergisst man, dass sie eine Frau ist. Sie ist wirklich sehr professionell." Das amerikanische Wirtschaftsmagazin Fortune nahm die Spanierin mit dem stolzen Blick in seine Liste der einflussreichsten Geschäftsfrauen der Welt auf.

Aus diesem Blick lässt sich allerdings noch mehr herauslesen als bloßer Stolz. Aufmerksamkeit und Bestimmtheit zum Beispiel. Ana Patricia Botín wirkt seriös, kontrolliert, auch ein wenig verbissen. Sie misst sich mit anderen, permanent.