Für Stöckelschuhe eignete sich der holprige Sandweg zu Suha Arafats Domizil in Gaza nicht. Das war aber bloß eine der vielen Enttäuschungen, mit denen die damals erst 31jährige First Lady fertig werden musste, als sie im Sommer 1994 mit ihrem Mann nach Palästina heimkehrte. Sie hatte hier wenige Freunde.

Mehr als an dem großen Altersunterschied zu Arafat störten sich viele Leute an ihrer sozialen Herkunft als Bankierstochter, an ihrer westlichen Erziehung und ihrem selbstbewussten Auftreten. Vor allem Arafats Vertraute nahmen es ihr übel, mit der Heirat das Image Arafats als einsamen Revolutionär zerstört zu haben. Sie machten ihr deshalb das Leben schwer. Die Männer hätten sie geschnitten, hätten ihr nicht einmal Briefe übermittelt, beklagte sich Suha Arafat immer wieder. Arafats Büro betrat sie deshalb höchst ungern.

Wer in ihr aber nur die machtbesessene, raffgierige Frau hinter dem PLO-Führer sieht, vergisst, dass sie sehr einsam war. Die meiste Zeit verbrachte Suha zu Hause. Sie lebte im ersten Stock, wo sie ihre Gäste zum Mittagessen empfing und die kleine Tochter Sahwa im rosa Kleidchen herumtollte. Arafat hatte sich im Erdgeschoss eingerichtet. Er arbeitete vor allem nachts und ging selten vor fünf Uhr ins Bett. Das war kein Leben für Suha, die sich zudem noch über Geldmangel beschwerte. Man hatte ihr das Budget gekürzt.

Ende der neunziger Jahre zog sie nach Paris, wo ihr monatlich 100 000 Dollar zur Verfügung standen. Ab und zu gab sie Interviews, aber ihre Abwesenheit fiel bald niemandem mehr auf. Erst als Arafat schwer krank wurde, betrat sie wieder palästinensisches Gebiet. Und auch nur, um den PLO-Chef gleich mit nach Paris zu nehmen.

Dort nahm Suha Arafat von der Klinik aus späte Rache. Nach französischem Gesetz darf sie sämtliche Informationen über ihren Ehemann kontrollieren. Sie ließ bald niemanden mehr in seine Nähe.