Er war als Sohn eines Goldgraveurs in einem dörflichen Vorort Wiens zur Welt gekommen. Mit knapp vierzehn Jahren wurde er als Stipendiat in eine Kunstgewerbeschule aufgenommen. Dort lernte er das Malen im allegorischen Stil. Schon als junger Mann hatte er sich mit seinem Bruder und einem Freund zu einer "Künstlercompagnie" zusammengetan, die Theaterdekorationen herstellte. Für die Deckengemälde des Burgtheaters bekam der 26-jährige vom Kaiser das Goldene Verdienstkreuz, und auch zwei andere Orden hatten ihm zu Ansehen verholfen. Für die Deckenbilder der Aula der Wiener Universität malte er die "Philosophie" und stellte sie in der Secession aus. Es kam zum Skandal, 87 Professoren protestierten dagegen. Die Ausstellung der "Medizin" wurde noch empörter aufgenommen. Professoren, Presse und Kollegen waren sich einig: Orgien der Nacktheiten habe er abgebildet! Doch auf der Pariser Weltausstellung wurde er für die "Philosophie" mit dem Grand Prix ausgezeichnet.

Der Nachwelt wurde er bekannt durch seine Frauenporträts. Im Gegensatz zu seiner stürmischen Jugendzeit nahm er sich sehr viel Zeit für Skizzen, Gespräche und seine Kompositionen. Durchschnittlich ein Jahr brauchte er für die Ausführung eines Bildes. Immer wieder überarbeitete er die Gemälde, viele blieben in der Ausführung der Kleider oder des Hintergrundes unvollendet. Einige mussten ihm gewaltsam fortgenommen werden. Etwa 10 000 Kronen kostete es, wenn ein Mann seine Frau von ihm malen lassen wollte. Und Mut, denn er stand im Ruf, eine große Anziehungskraft auf Frauen auszuüben.

Zeitgenossen beschreiben ihn als einen kräftigen Mann mit dem Bart und dem Aussehen eines Fauns. Zum Arbeiten trug er einen bodenlangen Kittel. Er war wortkarg, seine schriftlichen Mitteilungen waren kurz und knapp. "Schon wenn ich einen einfachen Brief schreiben soll, wird mir Angst und bang wie vor drohender Seekrankheit", sagte er. Sich selbst nahm er nicht wichtig. Er interessierte sich nur für seine Kunst und die Frauen. Eine von ihnen war Alma Mahler als junges Mädchen. Er reiste ihr bis Venedig nach, schrieb sie in ihren Tagebüchern, und "er spielte gewohnheitsmäßig mit menschlichen Empfindungen … er hatte niemand um sich als wertlose Frauenzimmer". Sie meinte die Mädchen aus dem Volk, seine Modelle, von denen er sagte, ihre Hintern seien schöner und intelligenter als die Gesichter von vielen anderen.

Er war ein begnadeter Zeichner. Seine Darstellungen des weiblichen Körpers zeigen eine faszinierende Intensität in den Nuancen des Psychischen. Der Schriftsteller Hermann Bahr, der sich oft in der Runde der Künstler aufhielt, sagte über ihn: "Bei (…) fühlen wir immer, dass er noch mehr zu sagen hätte, aber er will es nicht, weil er von schamhafter und schweigsamer Natur ist."

Zeit seines Lebens wohnte er bei seiner Mutter und seiner Schwester.

Seine einzige lebenslange Freundin war die junge Schwester der Schwägerin.

Sie war eine schöne Frau, selbstständig und begabt. Sie leitete zusammen mit ihren Schwestern einen Modesalon, der die vornehmsten Kundinnen bediente. Sie reiste nach Paris und London, um die neuesten Modelle zu sehen, und verarbeitete Stoffe, die sie aus vielen Ländern mitbrachte. Sie führte die avantgardistischen Reformkünstlerkleider ein, Kleider, taillenlos fließend ohne Korsett.