Es gibt klingende Namen im Techno: Westbam, Carl Craig, Derrick May. Und es gibt Michael Mayer. Unter einem Namen wie diesem aufzutreten ist in aller übertriebenen Bescheidenheit beinahe größenwahnsinnig. Aber es funktioniert.

Mayer zählt mittlerweile auch international zu den begehrtesten deutschen Techno-DJs und gehört mit seinem Namen zu den Vorzeigekünstlern des Kölner Plattenlabels Kompakt.

Dort gibt man sich gern betont unglamourös. Techno im verschleppten Viervierteltakt buchstabiert sich Schaffe statt Shuffle - die Schallplatten ziert mitunter auch mal das Kölner Stadtwappen - ein weltläufig entspanntes Bekenntnis zur Provinz, das auch im Ausland gut ankommt. Kaum ein anderes deutsches Plattenlabel ist weltweit so gefragt. Und das ganz ohne rammsteinschen Teutonenbonus. Auf dumpfe Nationalismen kann man ebenso verzichten wie auf bemüht marktgängige Künstlernamen. Auf dogmatische Stilvorgaben sowieso. Dabei hatte sich das Label bei seiner Gründung vor rund sechs Jahren noch streng einer minimalen Soundästhetik verpflichtet. Heute erklingt aus den schwarzen Rillen mal brachial stampfender Drogen-Techno, mal süßlicher Elektro-Schlagerpop.

Michael Mayer hat bei Kompakt nun nach zehn Jahren Nachtschicht als DJ und einigen Singles sein erstes Album aufgenommen: Touch (Kompakt CD36) heißt es - und es gäbe keinen passenderen Titel. In nur dreieinhalb Wochen produziert, bündelt die Platte 15 Jahre elektronische Ekstase zu einer erhebenden Momentaufnahme - hedonistisch, schwelgerisch und adrenalingesättigt. Mayer, der seit den späten achtziger Jahren Techno und House in allen Facetten gelebt hat, geht es um die Glücksmomente der Nacht. Die Bässe blubbern, der Beat hallt und federt, Synthieflächen wabern. Aller Opulenz zum Trotz aber bleibt spürbar, dass hier einer am Werk ist, der die Schule der Reduktion durchlaufen hat, bevor er nun - im dicksten Bombast noch immer stilsicher - die Regeln des guten Geschmacks über den Haufen wirft.

Stellt man sich die Stücke im Club vor, sie würden wohl erst kurz vor fünf Uhr morgens auf den Plattenteller kommen. Dann, wenn das Stroboskop-Gewitter vorüber ist und sich unter die vorwärts bolzende Bassdrum sehnsüchtige Melodien mischen. Es ist die Musik, die die Tänzer in den Morgen trägt und den längst angebrochenen Tag noch einmal zur Nacht macht. Ausgehend von aktuellen Techno- und Pop-Entwürfen weist Touch dabei zurück in eine Zeit, in der Techno noch eine Verheißung war - und die warme Anonymität des Raves noch keine klingenden Namen brauchte.