Viele angehende Journalisten träumen davon, in Ihre Fußstapfen zu treten – ist das möglich?

In die Fußstapfen von anderen zu treten ist immer möglich, aber möglicherweise keine gute Idee. Mein Weg hat mich in den Journalismus geführt, obwohl ich Journalisten nicht sonderlich mag. Sie sind mir zu intellektuell, nehmen sich zu ernst, glauben an nichts und wissen immer alles besser. Wer sich damit gut beschrieben fühlt, hätte keine gute Zeit in meinen Fußstapfen.

Warum? Ihr Einstieg in den Beruf war doch klassisch. Sie haben erst bei der "Neuen Westfälischen" ein Volontariat gemacht und danach ein paar Jahre als Lokalredakteur gearbeitet.

Das empfehle ich jedem, der Journalist werden will. Manchmal klappt es auch als Quereinsteiger. Dann bist du zur richtigen Zeit am richtigen Ort, aber es fehlt dir an Substanz. So schnell, wie du hochkommst, stürzt du wieder ab.

Sie erzählen gern, dass Ihnen in Indien beim Meditieren einfiel, Journalist zu werden. Stimmt das wirklich?

Warum sollte es nicht stimmen? Mit 17 trampte ich in vier Monaten von Bielefeld in den Himalaya. Ich checkte dort in einem Ashram ein, um für immer zu bleiben und Erleuchtung zu erlangen. Und was kam dabei heraus? Beim Meditieren traf ich auf meine innere Stimme, und die sagte: "Geh nach Hause und werde Journalist." Ich trampte also zurück nach Bielefeld und kam bei der Neuen Westfälischen unter. Da saß der Chefredakteur unter seiner Uhr, die langsam auf sechs zuging. Was ich damals natürlich nicht wusste: Sechs Uhr ist die Deadline für eine Tageszeitung. Kein guter Zeitpunkt, um ihm von einer inneren Stimme zu erzählen. Ich hatte kein Studium. Ich hatte kein Abitur. Ich hatte lange Haare. Und er hatte tausend Gründe, mich rauszuwerfen. Aber er tat es nicht. Er hörte mir zu, um rauszufinden, woher er mein Gesicht kannte. Irgendwann kam er drauf. Der Chefredakteur war ein Saufkumpan meines Vaters. Ich durfte fünf Probeartikel schreiben. Sie gefielen ihm. Und ich bekam das Volontariat.