In Berlin gräbt schon seit einiger Zeit eine neue Generation von Rappern und DJs an den Wurzeln der HipHop-Kultur. In ihren Texten erzählen sie vom proletarischen Leben jenseits des Berliner Mitte-Schicks - mit Witz, aber eben nicht nur zum Spaß. Till Hastreiters hat diese junge Szene nun in seinem Spielfilm-Debüt Status Yo! porträtiert. In vielfältig verwobenen Episoden zeigt er 24 Stunden aus dem Leben einer Kreuzberger HipHop-Clique. Die jugendlichen Laien-Darsteller, vornehmlich Kinder türkischer, kroatischer und chinesischer Einwanderer, spielen sich selbst. Sie feiern, prügeln sich, sprayen Graffiti und dealen mit Hehlerware - sie zoffen sich mit den geschiedenen Eltern, hängen in Plattenläden herum und leiden an der Liebe.

Auf grobkörnigem Videomaterial gedreht, hält sich Status Yo! dabei vom Porno-Glamour der HipHop-Videos ebenso fern wie von einer fragwürdigen Ghetto-Romantik. Doch sind es nicht die verwackelten Bilder und das semidokumentarische Schauspiel, die den Film so glaubwürdig machen.

Entscheidend ist, dass er HipHop zum Erzählprinzip erhebt. Regisseur Hastreiter mixt seine Bilder, als seien es Schallplatten. Am Ende hält einer der Darsteller seine Hand vor eine im Hintergrund vorüberrauschende S-Bahn.

Dann friert das Bild ein und bewegt sich auf der Leinwand hin und her. Für einen Moment scheint es, als würde die Hand die S-Bahn auf dem Gleis bewegen - so wie ein DJ eine Schallplatte vor- und zurückscratcht. HipHop als Großstadtmusik, als eine Strategie der Aneignung und Selbstermächtigung - in immer neuen Variationen zelebriert der Film diese simple aber schöne Idee: sei es nun über das Graffiti-Sprühen, das Rappen der Sprache oder die Körperbeherrschung im Breakdance. Nicht zuletzt knüpft er damit an einen Klassiker des HipHop-Films an: an Wild Style aus dem Jahr 1983, in dem unter anderem HipHop-Urvater Grandmaster Flash mitwirkte. So scheint mit Status Yo!

die deutsche HipHop-Kultur endlich dort angekommen zu sein, wo sie in New York vor mehr als 20 Jahren begann: auf der Straße.