Gute Nachrichten hat die Deutsche Post derzeit nötig - und wenn sie selbst welche produziert. Als der Bonner Logistikkonzern am Dienstag offiziell bestätigte, das neue Luftkreuz seiner Express- und Logistiktochter DHL in Leipzig errichten zu wollen, verbreitete er damit keine Neuigkeit.

Wohl aber mit den Zahlen, die um einiges über den Erwartungen lagen: 300 Millionen Euro will man in den neuen Hauptumschlagplatz in Europa investieren und damit 3500 Arbeitsplätze schaffen. Weitere 7000 Jobs würden im Umfeld entstehen. Mit 10 000 Arbeitsplätzen leiste die Post einen bedeutenden Beitrag zur Stärkung der neuen Bundesländer, teilte Post-Chef Klaus Zumwinkel mit.

Das ist ein großer Tag für unser Land, freute sich Sachsens Ministerpräsident Georg Milbradt, auch die Bundesregierung zeigte sich begeistert. Doch sosehr die Nachricht den Hauptanteilseigner Bund auch erfreut - sie kann nicht verdecken, dass die Post in großen Schwierigkeiten steckt.

Seit 1990 führt Klaus Zumwinkel den Konzern, der Börsengang, die Internationalisierung und der Umbau vom Briefzulieferer zum Logistikunternehmen sind sein Werk. Jetzt muss er viele Firmen unter der Marke DHL zusammenführen. Doch weder in den USA noch in Deutschland läuft diese Integration wie geplant. Hinter den Kulissen kämpft der 60-jährige Konzernchef darum, die Kontrolle zu behalten. Er muss neue Ertragsquellen beim Transport von Paketen und Containern erschließen, schon weil die schönen Gewinne der Briefsparte spätestens 2007 mit dem Ende des Monopols dahinschmelzen werden.

Überraschend wurde jetzt der für das US-Geschäft verantwortliche Vorstand Uwe Dörken abgelöst. Dass er der Post als Sonderbeauftragter des Vorstandsvorsitzenden erhalten bleibt, soll Dörken mit seinen Kenntnissen der Interna nach Ansicht von Branchenkennern vor einem Wechsel zur Konkurrenz abhalten. Zumwinkels Wegbegleiter ist raus. Und das nicht freiwillig. Dies überrascht, weil der mehrsprachige, stets souverän auftretende Dörken bei Analysten und Konkurrenten über eine gute Reputation verfügte und als möglicher Nachfolger an der Spitze galt. Die USA waren Dörkens Bewährungsprobe, und die ist gründlich schief gegangen, heißt es in der Branche. Der 45-Jährige, in Anspielung auf seinen Förderer auch schon mal der kleine Klaus genannt, verlor den Rückhalt - am Ende auch beim großen Klaus.

Lange hatte die Post nach der Übernahme des Expressdienstes Airborne im vergangenen Jahr davon gesprochen, 2005 in Amerika aus den roten Zahlen zu kommen. Der aktuelle Quartalsbericht dehnt jetzt die Frist für das Erreichen der Gewinnschwelle sogar bis auf das vierte Quartal 2006 aus. Das Ziel, den Platzhirschen UPS und Fedex Marktanteile abzunehmen, wurde verfehlt. Die Arbeitnehmerseite forderte bereits auf der regulären Sitzung des Post-Aufsichtsrats im September in Prag personelle Konsequenzen aus den Problemen in den USA. Jetzt gab die Führung dem Druck nach.

Diese Entscheidung zu diesem Zeitpunkt zu treffen könnte darauf hindeuten, dass die Situation in den USA noch schlechter ist als zugegeben, sagt Logistikexperte und Unternehmensberater Horst Manner-Romberg. Der Abgang von John Fellows, bislang unter Dörken für das operative Geschäft in den USA zuständig, sorgte da kaum mehr für Aufsehen. Dass Fellows seinen Posten räumen muss, war eher zu erwarten als der Abgang von Dörken, sagt Markus Hesse, Analyst bei der HypoVereinsbank. Nachfolger von Dörken und Fellows zugleich wird der bisher für das operative Geschäft in Asien zuständige Australier John Mullen. Beobachter rechnen damit, dass Mullen die Verantwortung für das Tagesgeschäft in Asien abgeben wird - zu groß seien die neuen Aufgaben.