Drei Männer stiegen am Montag dieser Woche ins Flugzeug nach Paris, um herauszufinden, wie schlimm es um Jassir Arafat steht: der Generalsekretär des PLO-Exekutivkomitees Machmud Abbas, Palästinas Ministerpräsident Achmed Kurei und sein Außenminister Nabil Schaath. Keiner von ihnen ist im Volk besonders beliebt; keiner könnte sich anmaßen, allein in Arafats riesige Fußstapfen zu treten. Gemeinsam aber signalisiert der Dreierbund der Welt: Beruhigt euch, es geht weiter, die Autonomiebehörde funktioniert, auch wenn Arafat nicht mehr da ist, bei dem stets alle Fäden zusammenliefen.

Einstweilen haben zwei ältere Herren, Abbas, 69, und Kurei, 66, die laufenden Geschäfte übernommen. Sie sind Weggefährten Arafats und gehören zur so genannten "Alten Garde" der Fatah-Bewegung. Nach dem Friedensvertrag von Oslo 1993, an dem sie tatkräftig beteiligt waren, kehrten beide mit Arafat aus dem tunesischen Exil in die palästinensischen Gebiete zurück.

Machmud Abbas ist derzeit der wichtigste. Für ihn ist es die zweite Chance, die palästinensische Autonomiebehörde von einem ineffizienten, korrupten Apparat in eine funktionierende, demokratische Regierung zu verwandeln. Auf heftigen internationalen Druck hatte ihn Arafat vorigen Sommer zum ersten palästinensischen Ministerpräsidenten ernannt. Doch schon nach wenigen Monaten warf er das Handtuch, der Rais hatte sich geweigert, auch nur ein klitzekleines Stück seiner Macht preiszugeben. Israel trug zum Scheitern das Seine bei. Es untergrub Abbas' Autorität mit Blockaden und "gezielten Tötungen", statt sie mit Gesten des guten Willens zu festigen. Solche Fehler wolle man nicht noch einmal begehen, heißt es heute in Jerusalem. Abbas aber wird sich vor einer zu engen Umarmung durch Israel hüten müssen, um beim eigenen Volk nicht gleich als Kollaborateur dazustehen.

Allein schon äußerlich signalisiert Machmud Abbas einen Paradigmenwechsel. Statt des zittrigen Mannes mit ausgeblichener Kampfuniform und Kefije vertritt nun ein bebrillter grauhaariger Intellektueller im feinen Zwirn die Sache der Palästinenser. Aber auch inhaltlich steht Abbas für einen Wechsel. Die vor vier Jahren begonnene militarisierte Intifada hielt er von Anfang an für einen strategischen Fehler. Er verurteilte Selbstmordattentate gegen israelische Zivilisten, als Arafat sie noch förderte. Er gilt als ein bedächtiger Mann - keiner, der mit der Faust auf den Tisch haut.

An Abbas' Seite steht Achmed Kurei, ein loyaler Arafat-Anhänger. Er ist Ministerpräsident und folgte vor einem Jahr auf Abbas. Kurei war Bankier in Saudi-Arabien und wechselte 1968 zur Fatah - als Vollzeitjob. In Tunis leitete er die Wirtschaftsabteilung der PLO, nach seiner Rückkehr ins Westjordanland übernahm er das Amt des Wirtschaftsministers. Als Ministerpräsident hatte er zuletzt versucht, die militanten Islamisten zu einem Waffenstillstand zu drängen - ohne Erfolg.

Am vorigen Samstag fuhr Kurei in den Gaza-Streifen, wo sich Gewalt und Anarchie in der Zeit nach Arafat am ehesten ausbreiten könnten. Von Dutzenden Leibwächtern begleitet, traf er sich mit Vertretern aller wichtigen palästinensischen Gruppen einschließlich Hamas und Islamischer Dschihad. Der Dialog sei ermutigend gewesen, sagte Kurei, alle wollten in diesen schweren Zeiten Verantwortung beweisen.

Verfrühte Hoffnungen? Es gibt bereits erste Anzeichen, dass Hamas nicht einfach zuschauen wird, wie sich eine neue Riege aus Arafats Fatah-Bewegung an die Macht hievt. Schon forderte ein Hamas-Sprecher eine vereinte Führung "bis es Wahlen gibt, in denen unser Volk seine Vertreter selber aussuchen kann".