Das letzte Exemplar war 2,85 Meter lang, 142 Kilo schwer und fand sein Ende in der Kantine des Bundesinnenministeriums. Es ist mittlerweile neun Jahre her, dass Fischer ihn aus deutschen Gewässern zogen. Seitdem herrscht Funkstille. Der Baltische Stör, Acipenser sturio, gilt heute als verschollen.

5000 Euro Belohnung verspricht die Gesellschaft zur Rettung des Störs demjenigen, der ein Exemplar beschaffen kann – lebendig, versteht sich. Das dürfte sich allerdings schwierig gestalten. Denn nach der Untersuchung eines deutsch-amerikanischen Wissenschaftlerteams um Arne Ludwig vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin trat Acipenser sturio bereits vor etwa 1200 bis 800 Jahren den Rückzug aus dem Ostseeraum an.

Es begann ganz harmlos mit dem Besuch seines amerikanischen Cousins, Acipenser oxyrinchus. Von dem gelangten einige wagemutige Exemplare mit dem Golfstrom über den Atlantik. Vetter Oxyrinchus gefiel es in Europa, er machte sich breit. Dass ihm anfänglich noch sein Verwandter mit Heimvorteil die Mückenlarven und Krebse wegfraß, erledigte sich von allein während der so genannten Kleinen Eiszeit vom 16. bis ins 19. Jahrhundert. Da wurde es dem Baltischen Stör zu kalt, er braucht etwa 20 Grad warmes Wasser zum Laichen. Acipenser oxyrinchus reichen 13 bis 18 Grad. Ludwig und sein Team verglichen nun Genproben von Museumsexemplaren und lebenden Fischen. Das Ergebnis war erstaunlich: Sämtliche aus der Ostsee stammenden Störe wiesen DNA-Sequenzen auf, wie sie sonst nur bei der nordamerikanischen Art vorkommen. Der Amerikanische Stör war in Deutschland längst zum "heimischen" Stör geworden. Nur eine kleine Schar baltischer Artgenossen hielt sich – bis heute – wacker im französischen Exil in der Gironde.

Für eine geplante Wiederbesiedlung deutscher Gewässer mit Stören könnte seine Vorliebe für lauwarmes Wasser Acipenser sturio nun allerdings zugute kommen. Wenn die globale Erwärmung tatsächlich stattfindet, gerät nämlich Acipenser oxyrinchus gewaltig ins Schwitzen.