Als die Bundesregierung vergangene Woche ihren Gesetzentwurf zur persönlichen Haftung von Managern zurückzog, war der Aufschrei groß. Die Medien schimpften zwar nahezu unisono, aus Angst vor den Managern sei Rot-Grün eingeknickt. Doch die Kritik verflog auch schnell wieder. Zu schnell, denn das vorläufige Scheitern der Managerhaftung ist mehr als ein Einzelfall. Es ist das jüngste Beispiel für den übergroßen Einfluss der Industrie.

Im Sommer kochte die Diskussion über die mangelnde Unabhängigkeit von Aufsichtsräten. Die EU bereitete neue Empfehlungen dazu vor. Und der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) setzte alles daran, diesen Richtlinien jede Schärfe zu nehmen - mit Erfolg. Es war die Kreditwirtschaft, die Entwurfe für neue Gesetze zum Anlegerschutz weich spülte. Wenn es darum geht, die Mitbestimmung abzuschaffen, gehen die Industrieverbände gern mit radikalen Konzepten an die Öffentlichkeit. Sollen die Unternehmen aber die Vorstandsgehälter offen legen, gilt jede gesetzliche Veränderung als Standortgefahr.

Was erstaunt mehr: die Unverschämtheit, mit der die Wirtschaft ihre Interessen artikuliert - oder die Leichtigkeit, mit der sie sich durchsetzt?

Wohl das Letztere. Zu groß ist immer noch der Respekt, den die Öffentlichkeit den Wünschen der Unternehmen entgegenbringt - vor allem die Politik. Gern zeigt man sich hart im Ton, aber nachgiebig in der Sache. Die fehlende Bescheidenheit der Manager paart sich mit einer falschen Ehrfurcht vor der unternehmerischen Macht.

Nicht jedes Argument ist so selbstverständlich, wie es klingt. Um neue Arbeitsplätze zu schaffen, sagte BDI-Präsident Michael Rogowski vor wenigen Tagen, brauche man einen Niedriglohnsektor, längere und vor allem flexiblere Arbeitszeiten, weniger Kündigungsschutz. Dass viele Konzerne schon heute Rekordgewinne ausweisen und sich trotzdem mit Investitionen im Inland zurückhalten, sagte er nicht. Ihre Sparte müsse künftig 12, 15 oder 20 Prozent Rendite erwirtschaften, bekommen viele Arbeitnehmer in der Chemie oder der Elektrotechnik zu hören. Außer Gier und Börsenlogik spricht wenig für solche Maßgaben. Doch werden die Forderungen der Verbände, die Aussagen der Vorstandschefs einer genauen Analyse unterzogen, wird die Auseinandersetzung gesucht? Nein. Zu schnell gelten sie als einzige Wahrnehmung der Realität.

Zu schnell wollen Politiker dann offene Fragen prüfen und sich vernünftigen Argumenten nicht verschließen oder mit den Topmanagern die direkte Diskussion abseits des Publikums suchen. Eine gewisse Unterwürfigkeit schwingt da mit, eine Scheu vor der Konfrontation, die ihre Wurzeln im Respekt vor den großen Figuren des Wiederaufbaus, vor den Grundigs, Abs' und Quandts dieser Republik haben mag.

Heute ist so viel Ehrfurcht längst überholt.