Sie könnten die Wirtschaft revolutionieren: Chips mit RFID-Technologie. Die Abkürzung steht für Radio-Frequenz-Identifikation, und ihr Siegeszug erfüllt die Wunschträume von Handelsunternehmen und Sicherheitsfirmen.

Sie möchten die kleinen Dinger möglichst bald auf Jogurtbechern und Waschmittelpackungen anbringen, auf Auto- und Hotelzimmerschlüsseln, in Halsbändern für Haustiere und Reisepässen für Menschen. Schon heute wird der europäische Jahresumsatz mit den kleinen Chips auf fast 500 Millionen Euro geschätzt, pro Jahr könnte er um 50 Prozent wachsen.

Was an RFID fasziniert? Die Chips besitzen eine eindeutige Kennnummer, sodass sie jederzeit identifiziert werden können. Zum Beispiel im Supermarkt: Kommt Ware mit einem Chip in die Nähe eines Lesegerätes, reagiert dieser auf die elektromagnetischen Impulse. Daraus zieht er die notwendige Energie, um seinerseits die Kennnummer zurückzufunken - ein RFID-Chip benötigt keine eigene Stromquelle. Ohne Sichtkontakt oder Berührung könnten künftig Preis und Inhalt für einen vollen Einkaufswagen ermittelt werden. Niemand müsste mehr seine Ware auf das Laufband an der Kasse legen. Und auch das Kramen nach Kleingeld könnte bald der Vergangenheit angehören - schließlich wären die Besucher über den RFID-Chip identifizierbar, der in ihrer Kundenkarte steckt.

So könnte der Betrag direkt von ihrem Konto abgebucht werden. Der Handelskonzern Metro testet in seinem Future Store in der Nähe von Duisburg bereits seine Vision vom Supermarkt der Zukunft.

Doch wie bei jeder neuen Massentechnologie liegen auch bei funkenden Minichips Nutzen und Gefahren dicht beisammen. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat die Risiken gerade in einer mehr als 100 Seiten starken Studie aufgelistet. Wer über technisches Wissen verfügt, könnte demnach den Funkverkehr zwischen RFID-Chips und Lesegeräten abhören, verfälschen oder mit starken elektromagnetischen Feldern komplett lahm legen.

Kaum waren die ersten drahtlos lesbaren Chips auf dem Markt, wurden sie auch schon von Hackern ins Visier genommen. Sie entwickelten Programme, mit denen die in den Chips gespeicherten Informationen überschrieben werden können. Der Identifizierungscode eines teuren Markenprodukts kann so quasi im Vorbeigehen auf Billigware umgepolt werden.

Wer das elektronische Etikett eines Pullovers fälscht, mag damit nur einen kleinen Schaden verursachen. Was aber, wenn es zum Beispiel irgendwann um die Identität von Personen geht? Einige Unternehmen setzen schon heute RFID bei ihren Zutrittskontrollen ein, in einigen US-Krankenhäusern sollen Patienten über die Funktechnik identifiziert werden.